60 – Die ohne den Bezug zur Arbeit („Ausgesprochen selbstständig”)

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Ich mache jetzt etwas, was ich noch nie gemacht habe. Ich nehme diese Podcastfolge gerade zum zweiten Mal auf. Ich habe die Folge schon einmal aufgenommen, sie wurde sogar schon geschnitten und hochgeladen, aber ich war so unzufrieden damit, dass ich gesagt habe, ich mache die jetzt noch mal neu. Das habe ich noch nie gemacht, weil all die Podcastfolgen so entstehen, dass ich einfach laut nachdenke und drauflosrede. So wie sie dann sind, sind sie.

Ich war so unzufrieden mit dieser Folge, dass es sie jetzt noch einmal gibt. Ich nehme sie also ein zweites Mal auf und schaue, ob es besser wird. Warum ist mir diese Folge so schwer gefallen? Weil sie anders ist als all die anderen Folgen. In meinem Podcast gebe ich normalerweise Einblicke in meine Selbstständigkeit und meine Arbeit bei Kunst und Brot und als Business Mentorin. Neulich habe ich mit einer Künstlerin über Ideen für den Podcast gesprochen, und sie meinte: Mach doch mal eine Folge, die nichts mit deiner Arbeit zu tun hat.

Mein erster Gedanke war, dass ich das nicht machen kann. Der Podcast heißt schließlich ausgesprochen selbstständig, da muss es doch um Selbstständigkeit gehen. Sie meinte jedoch, es sei interessant zu wissen, wer ich außerhalb davon bin. Was mich interessiert, was mich ausmacht, unabhängig von meiner Arbeit. Also habe ich beschlossen, genau das zu tun. Das ist die 60. Folge von ausgesprochen selbstständig und hier kommt eine Folge ohne Bezug zur Arbeit.

Schon beim ersten Versuch habe ich gemerkt, wie schwer es mir fällt, einfach über mich zu sprechen. Nach vier Jahren Selbstständigkeit ist sie ein großer Teil meiner Persönlichkeit geworden. Ein großer Teil dessen, worüber ich nachdenke. Selbst bei Vorstellungen geht es sehr schnell um die Frage: Was machst du beruflich? Genau diesen Teil überspringen wir heute bewusst.

Was mir beim ersten Versuch gefehlt hat, war Struktur. Einfach über Hobbys oder Freizeit zu sprechen, fühlte sich beliebig an. Deshalb habe ich mir Fragen geben lassen. Fragen, die helfen, mich besser kennenzulernen. Ich nutze diese Fragen jetzt als Leitfaden und beantworte sie. Wenn danach noch Fragen offen sind, kannst du mir jederzeit schreiben. Ich liebe Fragen, also keine Zurückhaltung.

Die erste Frage ist simpel und gleichzeitig schwierig: Was würdest du nur noch essen, wenn du dich auf ein Gericht festlegen müsstest? Meine Antwort ist Salat. Salat ist unglaublich vielfältig und ich liebe ihn in jeder Form. Obstsalat, Nudelsalat, Kartoffelsalat, gemischter Salat oder Nizza-Salat, es gibt unendlich viele Varianten. Außerdem muss man Salat nicht kochen, was ein großer Vorteil ist.

Ich hasse kochen wirklich. Es ist für mich eine echte Belastung im Alltag. Ich bin sehr froh, dass meine Frau das meist übernimmt oder der Thermomix. Backen liebe ich hingegen. Früher habe ich dreistöckige Torten gemacht, Macarons und ähnliche Dinge. Backen ist für mich Kreativität, während Kochen sich wie ein lästiges To-do anfühlt.

Die nächste Frage: Wenn du drei Jahre im Gefängnis sitzen würdest, wie würdest du die Zeit nutzen? Ich finde fast spannender, warum ich dort wäre, aber das ist eine andere Geschichte. Die Antwort ist klar: lesen. Es gibt nichts auf der Welt, was ich lieber tue. Nicht einmal malen oder reden kommt da ran.

Ich besitze über 600 Bücher und könnte den ganzen Tag lesen. Wenn ich nicht schlafen, essen, arbeiten und soziale Kontakte pflegen müsste, würde ich wahrscheinlich nie aufhören. Ich habe mit vier Jahren angefangen zu lesen und nie wieder aufgehört. Am liebsten lese ich Thriller und Krimis, aber eigentlich lese ich alles. Dieses Jahr bin ich schon bei meinem achten oder neunten Buch, dazu kommen Hörbücher.

Falls Lesen im Gefängnis nicht ausreichend wäre, würde ich eine Ausbildung machen. Am liebsten etwas Handwerkliches. Eine Ausbildung zur Elektrikerin fände ich spannend. Ich liebe Heimwerken und habe eine Bosch Professional Schlagbohrmaschine. Mit meinem Werkzeugkoffer bin ich regelmäßig in Potsdam unterwegs und helfe beim Aufbau von Möbeln oder beim Anbringen von Regalen.

Zusätzlich wäre ich vermutlich die Person mit der saubersten Gefängniszelle. Ich liebe es zu putzen. Das klingt vielleicht ungewöhnlich, aber es beruhigt mich. Putzen ist für mich eine sehr klare und befriedigende Tätigkeit.

Die nächste Frage: Wofür gibst du am meisten Geld aus? Gefühlt würde ich sagen für Bücher. Allerdings sind Bücher nicht so teuer, daher ist es wahrscheinlich eher Essen. Ich gebe viel Geld für Lebensmittel aus, sowohl im Supermarkt als auch beim Essen gehen, Frühstücken oder Kaffee trinken. Gutes Essen ist mir wichtig und ich liebe es, im Urlaub neue Küchen kennenzulernen.

Außerdem investiere ich viel in Kunst. Originale, Prints, Workshops, Onlinekurse. Alles, was mit Kunst zu tun hat, gehört definitiv zu meinen Top-Ausgaben. Generell gebe ich lieber Geld für Erlebnisse aus als für Dinge. Reisen, Konzerte, Theater, Musik und alles, was mit Lernen zu tun hat, haben einen hohen Stellenwert.

Kleidung interessiert mich dagegen kaum. Ich gebe so gut wie kein Geld dafür aus. Bücher sind die einzige Ausnahme bei Dingen. Alles andere sind für mich eher Erfahrungen und Lernprozesse.

Was nervt meine Freunde am meisten an mir? Wahrscheinlich, dass ich nicht auf Nachrichten antworte. Ich bin manchmal schwerer zu erreichen als der Papst. Seit ich selbstständig bin, hat sich das verstärkt. Ich bin viel in E-Mail-Postfächern und auf Instagram unterwegs, dadurch schaue ich nur selten in WhatsApp.

Ich habe keine Benachrichtigungen aktiviert. Das heißt, ich sehe Nachrichten nur, wenn ich aktiv in die App gehe. Das passiert manchmal nur alle zwei Wochen. Dann beantworte ich alles gesammelt und verschwinde wieder. Für meine mentale Gesundheit ist das wichtig, auch wenn es für andere anstrengend ist.

Nachrichten beantworten kostet mich unglaublich viel Energie. Es fühlt sich teilweise anstrengender an als körperliche Arbeit. Sprachnachrichten höre ich gar nicht an, was auch nicht besonders beliebt ist. Wer mich erreichen will, muss anrufen. Dann gehe ich ran oder rufe zurück.

Welche schlechte Angewohnheit versuche ich abzulegen? Ich arbeite daran, andere nicht mehr zu unterbrechen. Mein Gehirn glaubt oft, zu wissen, was die andere Person sagen will. In den meisten Fällen stimmt das nicht. Trotzdem falle ich ins Wort, um zu zeigen, dass ich zuhöre.

Das ist natürlich unhöflich und ich möchte das ändern. Ich will besser zuhören und Gespräche bewusster führen. Das ist ein aktiver Prozess und etwas, an dem ich gerade arbeite.

Welche Jahreszeit beschreibt mich am besten? Ich liebe den Sommer. Unter 26 Grad funktioniere ich nicht richtig. Bei 32 Grad arbeite ich hervorragend. Mein Gehirn läuft dann auf Hochtouren. Im Winter fühle ich mich wie eine eingefrorene Eidechse.

Vielleicht beschreibt mich das auch als Mensch. Leidenschaftlich und intensiv, aber gleichzeitig schnell frierend. Der Sommer ist die Jahreszeit, in der ich wirklich aufblühe.

Welche Tätigkeit macht mich sofort ruhig? Es gibt nicht viel, das mich wirklich zur Ruhe bringt. In mir ist immer viel los, meine Gedanken rasen konstant. Wenn ich male, wird es still. Dann werde ich ruhig, äußerlich und innerlich.

Ich habe das kürzlich bei einer Freundin gemerkt, als wir gemeinsam Ton bemalt haben. Sie hat direkt gesagt, dass ich plötzlich ganz ruhig bin. Ich rede sonst viel, laut und schnell. Beim Malen verändert sich das komplett. Es ist einer der wenigen Momente, in denen ich wirklich still werde und mir nicht kalt ist.

Was wird oft falsch über mich eingeschätzt? Viele denken, ich sei strukturiert und organisiert. In Wahrheit bin ich sehr chaotisch. Ich habe mir Strukturen aufgebaut, um das auszugleichen. Dadurch wirke ich extrem organisiert, obwohl das eigentlich eine Überkompensation ist.

Welche kleine Sache macht mich unverhältnismäßig glücklich? Wenn Menschen sich für etwas begeistern. Das Thema spielt keine Rolle. Sobald ich merke, dass jemand über etwas spricht, das ihm wirklich wichtig ist, überträgt sich das sofort auf mich.

Leidenschaft ist einer meiner höchsten Werte. Ich liebe es, Menschen zuzuhören, die für etwas brennen. Das kann ein völlig nerdiges Thema sein, völlig egal. Ich lasse mich davon mitreißen. Ich hatte sogar einmal eine Jahreskarte für Eishockey, obwohl ich kein Fan bin. Die Begeisterung anderer hat mich angesteckt.

Was möchte ich viel öfter tun? Ins Museum gehen. Ich habe sogar eine Jahreskarte, nutze sie aber zu selten. In Potsdam und Berlin gibt es unglaublich viele Ausstellungen, die ich noch nicht gesehen habe. Jedes Mal, wenn ich gehe, ist es großartig.

Ich habe in den letzten Jahren wieder mehr darauf geachtet, aber es könnte noch häufiger passieren. Ein- bis zweimal im Monat wäre ideal. Es sind nur ein paar Stunden Zeitaufwand und der Effekt ist enorm. Es macht mich jedes Mal unverhältnismäßig glücklich.

Vielleicht weißt du jetzt ein bisschen mehr über mich. Es ist interessant zu merken, wie schwer es fällt, ohne konkrete Fragen über sich zu sprechen. Der zweite Versuch dieser Folge zeigt genau das. Es ist gar nicht so leicht einzuschätzen, was für andere spannend ist, wenn es nicht um die Arbeit geht.

Falls es etwas gibt, das dich interessiert oder zu dem du mehr wissen möchtest, schreib mir einfach. Ich beantworte gerne Fragen. Von innen heraus einzuschätzen, was relevant ist, fällt mir schwer. Von außen ist das oft klarer.

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