Workshop-Preise: So kalkulierst du als Künstlerin fair

Wenn du als selbstständige Künstlerin Workshops oder Malkurse anbietest, wette ich, dass du mindestens einmal vor genau dieser Frage standest: Was soll mein Kurs kosten? Vielleicht hast du andere Künstlerinnen gegoogelt, dich irgendwo in der Mitte positioniert und dich dabei leicht unwohl gefühlt. Vielleicht hast du auch einfach eine Zahl in die Luft gegriffen. Und wenn du wirklich ehrlich bist: Du weißt nicht genau, ob du an deinen Workshops tatsächlich etwas verdienst, oder ob du am Ende mit einem Stundenlohn dastehst, der sogar unter dem Mindestlohn liegt.

Das ist ein häufiges Muster und absolut kein Vorwurf. Workshop-Preise als Künstlerin richtig zu kalkulieren ist eine komplexe Aufgabe, die einem niemand wirklich beibringt, obwohl sie über den Unterschied zwischen einem Hobby und einem Einkommen entscheidet, von dem du gut leben kannst. Dieser Artikel gibt dir die Grundlage dafür: eine klare Berechnungsmethode, die Logik dahinter und den Mut, den du brauchst, um deine Preise zu kommunizieren, ohne sie ständig zu rechtfertigen.

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Workshop-Preise: Was die meisten Künstlerinnen falsch machen

Der häufigste Fehler ist die Orientierung an anderen. Eine Künstlerin googelt „Malkurs Aquarell Hamburg“, findet drei Angebote zwischen 60 und 90 Euro, und positioniert sich irgendwo dazwischen. Das klingt nach vernünftiger Marktbeobachtung, ist aber ein Problem: Du weißt nicht, was diese anderen Anbieterinnen kalkuliert haben. Du weißt nicht, wie lange sie schon auf dem Markt sind, ob sie einen eigenen Raum haben, wie teuer ihre Materialien sind oder ob sie den Kurs mit Verlust anbieten, weil er ihnen die Warteliste für teurere Angebote füllt. Andere Preise zu kennen ist hilfreich als Orientierung, aber sie dürfen deine eigene Kalkulation nicht ersetzen.

Der zweite Fehler ist das Vergessen der unsichtbaren Zeit. Viele Künstlerinnen berechnen die reine Kurszeit, zwei Stunden Unterricht für zwölf Euro die Stunde, macht vierundzwanzig Euro pro Platz. Was dabei fehlt: die Stunden für die Vorbereitung, die halbe Stunde Materialeinkauf, die Kommunikation mit den Teilnehmer:innen vorher, das Aufräumen danach und der Weg zum Kursraum und zurück. Aus zwei Kursstunden werden schnell fünf bis sechs tatsächliche Arbeitsstunden, und das entscheidet darüber, ob ein Workshop profitabel ist oder nicht.

Der dritte Fehler ist Angst als Preisfindungsstrategie. Die Überlegung „Wenn ich mehr verlange, bucht niemand“ führt dazu, dass Künstlerinnen ihren Preis nicht basierend auf einer sauberen Kalkulation festlegen, sondern aus Unsicherheit viel zu niedrig ansetzen. Dabei sagt ein niedriger Preis noch gar nichts darüber aus, ob mehr Teilnehmer:innen kommen. Ich habe das bei Preisen mehr als einmal beobachtet: Der wahrgenommene Wert eines Kurses hängt stark am Preis. Wer zu billig ist, wirkt manchmal weniger professionell und verkauft nicht automatisch mehr.

Schritt 1: Erfasse deinen gesamten Zeitaufwand für einen Mal-Workshop

Die Basis jeder soliden Kalkulation ist die ehrliche Erfassung aller Zeit, die ein Workshop wirklich kostet. Nicht nur die Stunden, in denen du unterrichtest, sondern alles drumherum.

Rechne für jeden Workshop konkret durch: Konzeptionierung und Vorbereitung des Inhalts (beim ersten Mal länger, beim wiederholten Kurs kürzer, aber nie null). Materialeinkauf und Vorbereitung der Arbeitsstationen. Kommunikation mit Teilnehmer:innen im Vorfeld: Buchungsbestätigungen, Fragen beantworten, Erinnerungen verschicken. Die reine Kurszeit. Auf- und Abbau, Reinigung des Raums danach. Kommunikation nach dem Kurs: Dankesnachrichten, Feedback einholen, Rechnungen stellen. Addiere all diese Stunden für einen typischen Kurs deines Formats und du bekommst deine tatsächliche Arbeitszeit.

Ein dreistündiger Malkurs für acht Personen kostet in der Realität oft sechs bis acht Stunden gesamte Arbeitszeit, sobald du Vorbereitung, Kommunikation und Nachbereitung mitberechnest. Wer das nicht einkalkuliert, arbeitet für deutlich weniger als gedacht.

Schritt 2: Lege deinen Stundenlohn als Künstlerin fest

Dieser Schritt fühlt sich für viele Künstlerinnen seltsam an, weil er eine klare Aussage darüber erfordert, was die eigene Zeit wert ist. Trotzdem ist er unverzichtbar, denn ohne einen Zielstundenlohn hat deine Kalkulation keine Basis.

Orientierung: Wer gerade anfängt und wenig Erfahrung im Unterrichten hat, kann mit 25 bis 35 Euro pro Stunde starten. Wer mehrjährige Erfahrung mitbringt, eine spezifische Technik lehrt oder eine erkennbare Positionierung hat, sollte eher zwischen 40 und 70 Euro kalkulieren. Wer stark spezialisiert ist oder im Premiumbereich unterrichtet, kann deutlich darüber liegen. Diese Zahlen sind ein Ausgangspunkt und eine erste Orientierung.

Ein Stundenlohn von 40 Euro bedeutet nicht, dass deine Teilnehmer:innen 40 Euro pro Stunde zahlen. Es bedeutet, dass du für deine gesamte Arbeitszeit (also die realen sechs bis acht Stunden) mit diesem Betrag rechnest, wenn du kalkulierst, was ein Kursplatz mindestens kosten muss. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Schritt 3: Rechne alle Sachkosten zusammen

Neben dem Zeitaufwand gehören alle direkten Kosten in die Kalkulation, die für den Workshop entstehen. Dieser Punkt wird erstaunlich oft unterschätzt oder ganz vergessen.

Material für die Teilnehmer:innen: Leinwände, Farben, Pinsel, Papier, Schürzen, Becher, alles was du zur Verfügung stellst. Raummiete, falls du keinen eigenen Raum hast. Plattformgebühren, wenn du über ein Buchungstool verkaufst, dass Gebühren kostet. Fahrtkosten, falls du anreisen musst. Eine kleine Reserve für Unvorhergesehenes, etwa zehn Prozent der Gesamtkosten, weil immer etwas ist. Schreib diese Zahlen für einen konkreten Workshop auf und du wirst überrascht sein, wie hoch die Sachkosten tatsächlich ausfallen, sobald du alles zusammenrechnest.

Schritt 4: Berechne deinen Mindestpreis pro Platz in deinem Workshop

Jetzt kommt die eigentliche Kalkulation. Die Formel ist einfach:

(Stundenlohn × Gesamtstunden) + Sachkosten = Mindestgesamtkosten

Mindestgesamtkosten ÷ Anzahl Plätze = Mindestpreis pro Platz

Ein konkretes Beispiel: Du planst einen Acryl-Workshop für sechs Teilnehmer:innen, vier Stunden Kurszeit. Dein tatsächlicher Aufwand beträgt sieben Stunden. Du kalkulierst mit 40 Euro Stundenlohn, also 280 Euro Zeitkosten. Materialkosten für sechs Personen: 80 Euro. Raummiete: 70 Euro. Summe: 430 Euro. Geteilt durch sechs Plätze ergibt das rund 72 Euro Mindestpreis pro Platz, nur um kostendeckend zu arbeiten.

Damit verdienst du aber noch nichts. Du deckst lediglich deine Zeit und Kosten. Damit sich der Workshop wirklich lohnt, musst du auf den Mindestpreis noch eine Gewinnmarge legen, mindestens zwanzig bis dreißig Prozent. Das ergibt in diesem Beispiel einen fairen Kursplatz-Preis von 90 bis 95 Euro. Wer das mit der gängigen Bauchgefühl-Zahl von 60 Euro vergleicht, sieht das Problem. Die Logik ist dieselbe, die ich in meinem Artikel zur Preisberechnung für Auftragsarbeiten beschreibe, nur mit anderen Variablen. Wenn du dich mit der Kalkulationsmethode noch tiefer beschäftigen willst, ist mein Kurs UNBEZAHLBAR genau dafür gemacht.

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Schritt 5: Prüfe deinen Preis

Wenn du deinen Mindestpreis plus Marge berechnet hast, schau dir an, was andere Anbieterinnen verlangen, jetzt aber anders als am Anfang: nicht um dich anzupassen, sondern um zu verstehen, ob du dich gut positionieren kannst.

Falls dein kalkulierter Preis über dem Marktdurchschnitt liegt, gibt es zwei sinnvolle Reaktionen. Entweder du arbeitest an deiner Positionierung, also daran, warum dein Kurs mehr wert ist als andere (kleinere Gruppengrößen, besondere Technik, dein Name und deine Erfahrung als Markenfaktor). Oder du schaust, wo du Kosten reduzieren kannst, ohne die Qualität zu senken. Was du nicht tun solltest: einfach den Preis drücken, ohne die Kalkulation zu verändern, weil das bedeutet, dass du draufzahlst.

Falls dein Preis unter dem Marktdurchschnitt liegt, nimm das als Signal. Überprüfe deine Stundenzahlen und Sachkosten noch einmal, bevor du festlegst, dass dein Preis stimmt. Oft stellt sich heraus, dass Zeitaufwand unterschätzt oder Materialkosten vergessen wurden.

Schritt 6: Kommuniziere deine Workshop-Preise ohne Entschuldigungen und Erklärungen

Sobald du eine faire Kalkulation hast, kommt der nächste Punkt: die Kommunikation des Preises. Viele Künstlerinnen formulieren Preise so, als würden sie sich dafür entschuldigen. „Für nur 85 Euro…“ oder „Der Kurs kostet leider 90 Euro“ sind Sätze, die ich sehr häufig höre, und beide schwächen deine Position, bevor jemand überhaupt nachgefragt hat.

Ein Preis, den du klar und ohne Einschränkung nennst, wirkt selbstbewusster als ein Preis, dem du ein „nur“ oder „leider“ voranstellst. Schreib: „Der Workshop kostet 95 Euro pro Person, inklusive aller Materialien.“ Kein Zusatz, keine Entschuldigung. Wer Rückfragen hat, wird fragen, und du kannst dann erklären, was der Preis beinhaltet, wenn die Frage kommt, nicht proaktiv.

Rabatte ohne konkreten Grund erziehen deine Community außerdem dazu, auf den nächsten Rabatt zu warten. Frühbucher-Preise für die ersten Anmeldungen sind sinnvoll und erzeugen echte Dringlichkeit. Ständige Last-Minute-Rabatte, weil noch Plätze frei sind, signalisieren, dass dein regulärer Preis verhandelbar ist.

Schritt 7: Basiere deinen Workshop-Preis auf deinem Umsatzziel

Ein letzter Gedanke, der viele Workshop-Preis-Fragen auflöst: Fang nicht bei der Frage an, was der Markt hergibt. Fang bei der Frage an, was du am Ende des Monats mit deinen Kursen an Umsatz machen willst.

Wenn du monatlich 1.000 Euro mit Workshops verdienen möchtest und dein Kurs nach Kalkulation 90 Euro pro Platz bei acht Plätzen bedeutet, brauchst du ungefähr zwei Kurse pro Monat. Das ist realistisch und planbar. Wenn du dasselbe Ziel mit einem Preis von 55 Euro pro Platz erreichen willst, brauchst du fast viermal so viele Kurse und arbeitest dabei für einen Bruchteil dessen, was dir zusteht.

Deshalb lohnt es sich, die Kalkulation einmal sauber aufzusetzen und von dort aus zu skalieren. Wenn die Plätze gut gebucht werden, erhöhst du beim nächsten Kurs den Preis leicht.

Workshop-Preise für Künstlerinnen kalkulieren

Preise festzulegen gehört zu den unangenehmsten Aufgaben im Kunstbusiness, weil sie eine klare Aussage über den eigenen Wert erfordern. Gleichzeitig ist es eine der wichtigsten. Wer seine Workshop-Preise immer wieder zu niedrig ansetzt, schafft sich selbst eine Einkommensgrenze, die nicht von der Nachfrage festegelegt wird, sondern von der eigenen Unsicherheit.

Berechne deinen Preis einmal sauber. Leg eine Gewinnmarge drauf. Nenn ihn dann ohne Entschuldigung. Und wenn du merkst, dass sich etwas in dir sperrt, wenn du den Preis aussprichst, ist das kein Zeichen, dass er zu hoch ist. Es ist meistens ein Zeichen, dass du noch ein bisschen Arbeit am eigenen Selbstbild als Unternehmerin vor dir hast. Bei Preisen geht es nie um „wieviel“, sondern um „für wen“. Triff diese Entscheidung basierend auf deinen Zielen, nicht basierend auf deinen Ängsten.

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