So baust du als Künstlerin deinen ersten Onlinekurs auf

Hast du eine konkrete Idee für einen Online-Malkurs im Kopf? Vielleicht schon seit Monaten oder sogar seit Jahren? Die Idee ist klar, die Begeisterung auch und trotzdem passiert nichts. Stattdessen sammeln sich offene Tabs über Kursplattformen an, halbfertige Notizen zu möglichen Inhalten und das nagende Gefühl, dass irgendetwas fehlt, bevor man wirklich anfangen kann.

Was meistens fehlt, ist nicht noch mehr Wissen oder die bessere Kamera. Was fehlt, ist ein klarer Fahrplan, der zeigt, in welcher Reihenfolge die Entscheidungen getroffen werden müssen, damit ein Online-Malkurs nicht zur endlosen Baustelle wird, sondern tatsächlich fertig ist und gebucht werden kann. Dieser Artikel ist dieser Fahrplan.

Einen Online Malkurs erstellen: Was du als Künstlerin zuerst brauchst (und was nicht)

Bevor wir zu den einzelnen Schritten kommen, eine kurze Klarstellung: Du brauchst keine professionelle Filmausrüstung, kein Tonstudio und keinen fertigen Newsletter mit 1.000 Abonnentinnen, bevor du anfängst, deinen ersten Online-Malkurs zu erstellen. All das klingt nach vernünftiger Vorbereitung, ist aber meistens Aufschieberitis.

Was du wirklich brauchst: ein Thema, das für deine Zielgruppe einen konkreten Nutzen hat, eine Struktur, die den Lernfortschritt abbildet, eine Aufnahmemöglichkeit, die gute Tonqualität liefert (dazu mehr gleich), und eine Plattform, auf der du deinen Kurs veröffentlichst. Alles andere — besseres Licht, professionelleres Editing, eine ausgefeilte Salespage — kann mit der Zeit wachsen. Der erste Kurs muss nicht perfekt sein. Hauptsache ist erst mal, dass er überhaupt existiert.

Schritt 1: Finde das richtige Thema für deinen Online-Malkurs

Der häufigste Fehler beim Erstellen eines Online-Malkurses: Das Thema ist zu breit. „Malen für Anfängerinnen“ klingt nach einer logischen Kursidee, ist es aber nicht, denn eine Frau, die noch nie einen Pinsel in der Hand hatte, hat andere Bedürfnisse als jemand, die gelegentlich aquarelliert und jetzt tiefer einsteigen möchte. Je breiter das Thema, desto schwieriger die Vermarktung und desto schwieriger auch der Unterricht selbst, weil du nie genau weißt, wo deine Teilnehmerinnen stehen.

Ein gutes Kursthema beantwortet eine konkrete Frage oder löst ein konkretes Problem. „Aquarell für Anfängerinnen: Dein erstes stimmungsvolles Landschaftsbild in 4 Wochen“ ist ein Thema. „Acrylmalerei: Wie du lernst, Gesichter realistisch zu malen“ ist ein Thema. „Abstrakt malen ohne Plan — so entwickelst du deinen eigenen Stil in 6 Lektionen“ ist ein Thema. Der Test ist einfach: Wenn deine Wunsch-Teilnehmerin den Kurstitel liest, soll sie innerhalb von zwei Sekunden wissen, ob dieser Kurs für sie ist oder nicht.

Schritt 2: Entscheide dich für ein Format

Beim Erstellen eines Online-Malkurses gibt es drei grundlegende Formate, zwischen denen du wählen musst, und diese Entscheidung beeinflusst alles andere: den Aufwand, die Vermarktung und die Art der Einnahmen.

Aufgezeichneter Selbstlernkurs: Du nimmst alle Lektionen einmal auf, lädst sie auf einer Plattform hoch und Teilnehmerinnen kaufen Zugang zu diesem Kurs. Dann erarbeiten sie sich die Inhalte wann immer sie wollen, in ihrem eigenen Tempo. Der Aufwand liegt einmalig in der Erstellung, danach läuft der Kurs ohne dein Zutun oder weiteren Zeitaufwand. Das ist das skalierbarste Modell und für die meisten Künstlerinnen der sinnvollste Einstieg.

Live-Kurs oder Livestream: Du unterrichtest in Echtzeit, über Zoom oder eine ähnliche Plattform, zu festen Terminen. Mehr persönliche Verbindung, mehr Flexibilität für spontane Fragen, aber auch mehr Zeitaufwand für dich und keine passive Einnahme nach Kursende. Dieses Format ist gut geeignet, wenn du ein Thema erst testen möchtest, bevor du es als kompletten Kurs aufnimmst.

Hybrid: Du kombinierst aufgezeichnete Inhalte mit regelmäßigen Live-Sessions oder einer Community. Dieses Format bietet Tiefe und Skalierung gleichzeitig, bedeutet aber auch mehr Aufwand in der Vorbereitung.

Für den Einstieg empfehle ich den reinen Selbstlernkurs, denn er zwingt dich, Inhalte klar aufzubereiten, und schafft danach eine Einnahmequelle, die unabhängig von deiner Zeit funktioniert.

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Schritt 3: Baue dein Kurs-Curriculum auf

Das Curriculum ist die Struktur deines Kurses: welche Inhalte kommen in welcher Reihenfolge, was lernen Teilnehmerinnen in jeder Lektion, und wie bauen die Lektionen aufeinander auf. Es ist der Schritt, den viele überspringen, mit dem Ergebnis, dass der Kurs sich beim Aufnehmen wie ein endloses Durcheinander anfühlt.

Fang mit dem Ergebnis an, nicht mit dem Inhalt. Was soll eine Teilnehmerin nach dem Abschluss deines Online-Malkurses können? Formuliere dieses Ergebnis so konkret wie möglich: „Nach diesem Kurs bist du in der Lage, ein vollständiges Aquarellbild mit weichen Übergängen und Tiefenwirkung zu malen, auch wenn du vorher noch nie aquarelliert hast.“ Von diesem Endpunkt aus strukturierst du rückwärts: Welche Fähigkeiten braucht sie dafür? In welcher Reihenfolge muss sie diese lernen?

Als Faustregel für die Länge: Kürzere Lektionen werden häufiger abgeschlossen als lange. Videos zwischen 8 und 20 Minuten sind für die meisten Formate ideal, alles über 30 Minuten wird erfahrungsgemäß seltener fertig geschaut. Wenn du merkst, dass eine Lektion sehr lang wird, trenne sie in zwei separate Lektionen mit klar abgegrenzten Themen. Dein Ziel ist ein Kurs, den Teilnehmerinnen auch tatsächlich durcharbeiten, nicht nur kaufen.

Schritt 4: Technik — was du als Künstlerin für einen Onlinekurs wirklich brauchst

Hier wird es für viele Künstlerinnen unübersichtlich, weil es endlos viele Tools, Kameras und Software-Optionen gibt. Deshalb kurz und klar: Was für die Qualität deines Online-Malkurses am meisten zählt, ist der Ton und ein klares.

Ein verschwommenes Bild verzeihen Teilnehmerinnen sogar noch eher, solange der Inhalt gut ist. Schlechten Ton verzeihen sie nicht, denn er macht das Zuhören anstrengend und führt dazu, dass Kurse abgebrochen werden. Investiere also zuerst in ein gutes Mikrofon. Ein einfaches USB-Mikrofon kostet zwischen 50 und 150 Euro und macht einen spürbaren Unterschied verglichen mit dem eingebauten Laptop-Mikrofon.

Für das Bild reicht dein Smartphone am Anfang vollständig aus, vorausgesetzt du hast gutes Licht. Natürliches Licht von der Seite funktioniert gut, ein einfaches Ringlicht oder eine günstige Softbox ebenfalls. Wenn du deinen Malprozess aufnimmst, ist eine Halterung sinnvoll, die die Kamera von oben auf deinen Arbeitsbereich richtet. Für die Nachbearbeitung reichen kostenlose Tools wie Capcut oder iMovie für den Anfang vollständig aus.

Hier findest du meine Technik-Empfehlungen für einen Onlinekurs.

Schritt 5: Nimm deinen Online-Malkurs auf

Viele Künstlerinnen schieben den Aufnahmeschritt so lange hinaus, bis er sich wie ein riesiger Berg anfühlt. Dabei geht die eigentliche Aufnahme meistens schneller als erwartet, wenn das Curriculum steht und die Technik eingerichtet ist.

Sprich frei, lies nicht vom Skript ab. Stichpunkte reichen vollständig aus, denn gelesene Texte klingen steif und verlieren die persönliche Wärme, die deine Teilnehmerinnen an dir schätzen. Mach dir keine Sorgen über kleine Versprecher oder kurze Pausen, die meisten lassen sich beim Schneiden herausnehmen oder sind im fertigen Video kaum wahrnehmbar. Nimm einen kurzen Test auf, höre ihn dir mit Kopfhörern an, und pass Licht und Ton an, bevor du den kompletten Kurs aufnimmst.

Plane die Aufnahmen blockweise: Zwei bis drei Lektionen pro Session sind für die meisten Menschen das sinnvolle Maximum, bevor Konzentration und Energie nachlassen und das in der Aufnahme hörbar wird. Wenn du über mehrere Tage aufnimmst, achte auf gleichbleibendes Licht, ähnliche Kleidung und denselben Aufnahmeort, damit der Kurs optisch einheitlich wirkt.

Die kostenlose Intro-Challenge für Künstlerinnen auf Instagram

Schritt 6: Wähle eine Plattform und veröffentliche deinen Kurs

Es gibt viele Plattformen, auf denen du deinen Online-Malkurs veröffentlichen kannst: Ablefy, ThriveCart Learn, Teachable, Thinkific, Kajabi und andere. Die wichtigste Entscheidung ist nicht, die perfekte Plattform zu finden, sondern eine zu wählen und loszulegen. Du kannst deine Kursvideos auch kostenlos als ungelistete Videos bei YouTube hochladen und so zur Verfügung stellen.

Worauf du beim Verkauf achten solltest: Gibt es eine Transaktionsgebühr pro Kauf, oder zahlst du eine monatliche Gebühr für deine Kursplattform? Wie einfach ist die Kursstruktur aufgebaut? Kannst du Zusatzmaterialien hochladen? Gibt es eine Community-Funktion, falls du das möchtest? Und: Wie sieht die Salespage aus, auf der Interessierte deinen Kurs kaufen können? Die Plattform ist auch dein erster Eindruck nach außen, also schau sie dir kurz aus Kundenperspektive an, bevor du dich festlegst.

Schritt 7: Vermarkte deinen Online-Malkurs und fang damit an, bevor er fertig ist

Der häufigste Fehler beim Erstellen eines Online-Malkurses ist, erst nach der Veröffentlichung mit der Vermarktung anzufangen. Bis dahin hat niemand von dem Kurs gehört, und der Launch wird eine enttäuschende Erfahrung. Beginne stattdessen damit, deinen Kurs anzukündigen, wenn du mitten in der Erstellung bist.

Zeig, was du gerade aufbaust: ein kurzes Video, in dem du erklärst, was Teilnehmerinnen lernen werden. Eine Story-Sequenz, in der du Einblicke in die Lektionen gibst, die bereits fertig sind. Eine Warteliste, auf der sich Interessierte eintragen können und als erste informiert werden, wenn der Kurs live geht. Diese Vorab-Aufmerksamkeit ist das Wertvollste, was du in der Erstellungsphase aufbauen kannst, weil du beim Launch nicht bei null startest.

Wie du deinen Kurs danach über verschiedene Kanäle kontinuierlich vermarktest und welche konkreten Aktionen tatsächlich zu Verkäufen führen, findest du in meinem Artikel über Onlinekurse verkaufen als Künstlerin.

Dein Onlinekurs muss nicht perfekt sein, er muss fertig sein

Viele Künstlerinnen warten auf den Moment, in dem sie bereit sind. Bereit genug. Gut genug. Ausgestattet genug. Dieser Moment kommt nicht, weil sich die Messlatte mit jedem verstrichenen Monat ein Stück weiter verschiebt. Was stattdessen kommt, ist Bedauern darüber, wie lange man gewartet hat.

Dein erster Online-Malkurs muss nicht das beste Lehrprodukt sein, das je erstellt wurde. Er muss eine Frage beantworten, die deine Zielgruppe wirklich beschäftigt, und er muss so aufgebaut sein, dass Teilnehmerinnen am Ende etwas können, das sie vorher nicht konnten. Alles andere kann beim zweiten Kurs besser werden. Wie du dabei Preise kalkulierst, die deinen Aufwand wirklich abbilden, zeigt mein Artikel zur Preisberechnung für kreative Angebote. Machen ist besser als nicht machen, auch bei Onlinekursen.

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