Malkurse anbieten als Künstlerin: So kalkulierst du Preise, füllst Plätze und machst deinen Workshop zu einer zusätzlichen Einkommensquelle

Wenn du als selbstständige Künstlerin einen Malkurs anbieten möchtest, stehst du vermutlich vor einer Mischung aus Vorfreude und Überforderung. Die Idee, anderen das Malen beizubringen und etwas zu teilen, was dir so viel bedeutet, klingt wunderbar. Dann kommen die Fragen: Was soll der Kurs kosten? Wo finde ich Teilnehmer:innen? Was, wenn sich nur drei Personen anmelden? Und dann, leise aber hartnäckig, die Frage, die sich viele nicht laut zu stellen trauen: Darf ich dafür überhaupt Geld verlangen?

Diese Fragen sind real, berechtigt, und sie gehören dazu. Malkurse anzubieten gehört zu den besten Möglichkeiten für Künstlerinnen, ein stabiles Einkommensstandbein aufzubauen, weil du dein Wissen weitergibst, statt ausschließlich auf den nächsten Originalverkauf zu warten. Aber zwischen der Idee „Ich möchte Malkurse geben“ und einem gebuchten, gut bezahlten Workshop liegen ein paar Entscheidungen, die du früher oder später treffen musst. Dieser Artikel zeigt dir, welche das sind.

Malkurse anbieten: Was den meisten Künstlerinnen tatsächlich fehlt

Das Problem bei vielen Malkursen ist nicht das Angebot selbst. Oft ist der Inhalt durchdacht, die Leidenschaft der Kursgeberin spürbar, das Konzept gut. Was fehlt, sind meistens drei Dinge, die nichts mit dem eigentlichen Kursinhalt zu tun haben.

Erstens fehlt Klarheit über die Zielgruppe. Wenn du deinen Malkurs „für alle“ anbietest, sprichst du niemanden wirklich an. Der Kurs richtet sich dann an Anfängerinnen, Fortgeschrittene und Wiedereinsteiger gleichzeitig, was sowohl die Vermarktung als auch den Unterricht unnötig kompliziert macht. Ein Kurs für „Frauen, die endlich wieder etwas für sich tun wollen und keine Vorerfahrung haben“ füllt sich leichter als ein Kurs „für Malbegeisterte jedes Levels“.

Zweitens stimmen die Preise nicht. Viele Künstlerinnen setzen ihre Kursgebühren zu niedrig an, weil sie befürchten, dass sich sonst niemand anmeldet. Das Ergebnis ist ein Kurs, der zwar Teilnehmer:innen hat, aber kaum etwas einbringt, wenn du Zeit, Material und Vorbereitungsaufwand ehrlich gegenrechnest. Außerdem entsteht bei niedrigen Preisen oft ein paradoxer Effekt: Teilnehmer:innen nehmen den Kurs weniger ernst, weil der wahrgenommene Wert sinkt.

Drittens fehlt Sichtbarkeit auf dem richtigen Kanal. Instagram ist gut, aber allein reicht es oft nicht, gerade bei regionalen Angeboten. Malkurse werden häufig sehr konkret gesucht, und viele potenzielle Teilnehmer:innen googeln „Malkurs für Anfängerinnen [Stadt]“ anstatt auf Instagram zu stöbern. Wer seinen Malkurs ausschließlich über Social Media vermarktet, verlässt sich auf einen Kanal, dessen Reichweite sich täglich ändert und der hohe Streuverluste hat, da du überwiegend Menschen erreichst, die nicht in deiner Nähe wohnen.

Schritt 1: Definiere, für wen du deinen Malkurs anbietest

Bevor du auch nur eine Zeile Kursinhalt schreibst, brauchst du Klarheit über eine einzige Frage: Für wen ist dieser Kurs? Nicht im Sinne von „für Malbegeisterte“, sondern konkret. Welche Frau steht vor dir, wenn du deinen Kurs gibst? Was kann sie schon, was möchte sie nach dem Kurs können, was hindert sie gerade daran?

Je klarer du diese Frage beantwortest, desto leichter wird alles andere. Die Kursstruktur ergibt sich fast von selbst, weil du weißt, was deine Teilnehmer:innen wirklich lernen müssen. Die Vermarktung wird einfacher, weil du weißt, wo diese Leute zu finden sind und in welcher Sprache sie denken. Der Preis wird klarer, weil du besser einschätzen kannst, welchen Wert dein Kurs für sie hat.

Zielgruppen, die erfahrungsgemäß gut funktionieren: Komplette Anfängerinnen ohne jede Vorkenntnisse (die sich häufig ausprobieren wollen, aber nicht wissen wie), Frauen in der Lebensmitte, die Kreativität als Ausgleich suchen, oder Künstlerinnen auf einem bestimmten Level, die eine spezifische Technik vertiefen möchten. „Aquarell für Anfängerinnen“ oder „Acrylmalerei für Fortgeschrittene: Figuratives Malen“ sprechen beide Gruppen direkt an, und du wirst im Gespräch mit Interessierten merken, wie viel leichter es fällt, wenn du beschreiben kannst, für wen der Kurs gedacht ist und für wen nicht.

Schritt 2: Kalkuliere den Preis für deinen Malkurs realistisch

Preisgestaltung ist das Thema, bei dem selbstständige Künstlerinnen am häufigsten ins Stocken geraten, und gleichzeitig das, das sich mit einem nüchternen Blick auf die Zahlen relativ klar lösen lässt.

Fang mit dem Zeitaufwand an. Wie lange dauert der Kurs? Wie viel Zeit brauchst du für Vorbereitung, Materialeinkauf, Kommunikation mit den Teilnehmer:innen und die Nachbereitung? Addiere diese Stunden ehrlich zusammen und überlege, welchen Stundenlohn du dir vorstellst. Als Orientierung: Unter 25 Euro pro Stunde ist für eine qualifizierte Kursgeberin nicht empfehlenswert, viele liegen bei 40 bis 80 Euro, je nach Spezialisierung und Positionierung im Markt.

Dann kommen die Sachkosten: Material für alle Teilnehmer:innen, Raummiete, eventuelle Plattformgebühren bei der Buchung. All das addierst du dazu, teilst durch die Platzanzahl und landest bei den Mindestkosten pro Person. Ein konkretes Beispiel: Du gibst einen vierstündigen Kurs mit sechs Plätzen. Sieben Stunden Gesamtaufwand á 40 Euro macht 280 Euro. Material 90 Euro. Raummiete 80 Euro. Summe 450 Euro Mindestkosten, geteilt durch sechs ergibt 75 Euro pro Person, nur um kostendeckend zu arbeiten. Ein fairer Preis liegt also eher bei 100 bis 130 Euro. Wenn du tiefer in die Preiskalkulation einsteigen willst, ist mein Onlinekurs UNBEZAHLBAR ein guter nächster Schritt.

Schritt 3: Strukturiere deinen Malkurs so, dass er sich wiederholen lässt

Ein häufiger Fehler ist der komplett individualisierte Kurs, der jedes Mal neu entwickelt wird. Das kostet enorm viel Zeit und verhindert, dass du Routine aufbaust. Überleg stattdessen, wie du deinen Kurs so zu strukturieren, dass du ihn mehrfach anbieten kannst, eventuell mit kleinen Anpassungen, ohne jedes Mal bei null zu beginnen.

Das bedeutet konkret: ein klares Curriculum mit Lernzielen, das du schriftlich festhältst, eine Materialliste, die du nur noch aktualisieren musst, eine Checkliste für alles, was vor dem Kurstermin zu erledigen ist, und am Ende ein kurzes Feedback-Formular, damit du weißt, was du beim nächsten Mal besser machen kannst. Wer seinen Malkurs von Anfang an als wiederholbares Produkt betrachtet, investiert einmal Energie in den Aufbau und kann dieselbe Grundstruktur dann vier, sechs, zehn Mal nutzen.

Wenn du diese Logik auf Online-Formate erweiterst, skaliert sie noch weiter, weil du denselben Inhalt dann zeitlich ungebunden beliebig oft verkaufst. Mehr dazu, wie das konkret funktioniert, findest du in meinem Artikel über Onlinekurse verkaufen als Künstlerin.

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Schritt 4: Mach deinen Malkurs sichtbar, bevor die Plätze gebucht werden können

Ich beobachte das bei so vielen Künstlerinnen: Du öffnest die Anmeldung für deinen Kurs und hoffst, dass sich Interessierte irgendwie finden. Stattdessen sollte die Sichtbarkeit für deinen Kurs bereits Wochen vor der Anmeldung beginnen.

Das bedeutet konkret: Erzähl auf Instagram, was du vorbereitest, ohne schon alles zu verraten. Zeig, wie du deinen Kursraum einrichtest, was du an Material einkaufst, welche Technik du unterrichten wirst. Bau Neugier auf, bevor es etwas zu kaufen gibt. Wenn du dann die Anmeldung öffnest, gibt es bereits Menschen, die warten, nicht Menschen, die zum ersten Mal von deinem Kurs hören. Dieser Unterschied ist entscheidend für den erfolgreichen Start.

Genauso wichtig ist es, deinen Malkurs auf Plattformen sichtbar zu machen, auf denen potenzielle Teilnehmerinnen aktiv suchen, nicht nur scrollen. Eine eigene Seite auf deiner Website, die das Keyword „Malkurs [deine Stadt]“ oder „Aquarellkurs für Anfängerinnen“ enthält, hilft dir, bei Google gefunden zu werden.

Schritt 5: Nutze eine Wartelisten als strategisches Instrument für deinen neuen Malkurs

Wer seinen Malkurs ankündigt und sofort zwölf freie Plätze anbietet, ohne vorher Interesse zu validieren, arbeitet mit einer Blackbox. Wer stattdessen eine Warteliste aufbaut, bevor er die Anmeldung möglich macht, kennt die Nachfrage bereits, bevor der Kurs verbindlich buchbar ist.

Eine Warteliste funktioniert einfach: Du kündigst deinen Kurs an, noch ohne genaues Datum oder fixierten Preis, und bittest Interessierte, sich einzutragen, wenn sie benachrichtigt werden möchten. Diese Liste gibt dir zwei Vorteile: Du siehst, ob das Interesse vorhanden ist, bevor du Raummiete bezahlst oder Material einkaufst, und beim Start der Anmeldung hast du bereits heiße Interessentinnen, die aktiv auf die Nachricht warten, dass sie sich jetzt ihren Platz sichern können.

Frühbucher-Rabatte sind ein weiteres Instrument, das funktioniert, wenn du es dosiert einsetzt. Ein Nachlass von 10 bis 20 Euro für die ersten drei Anmeldungen innerhalb von 48 Stunden erzeugt Dringlichkeit und hilft dir, schnell eine Mindestbelegung zu sichern. Danach gilt der reguläre Preis, ohne Ausnahme, damit du keine Preisdiskussionen bekommst und der Wert des Kurses klar bleibt.

Schritt 6: Denke deinen Malkurs als Teil eines größeren Produktportfolios

Ein einzelner Malkurs ist schön und eine Reihe von Kursen, die aufeinander aufbauen, ist ein Geschäftsmodell. Wenn deine Teilnehmer:innen nach dem Anfängerkurs wissen, dass es einen Aufbaukurs gibt, erhöhst du deinen Umsatz pro Person, ohne jedes Mal von vorn neue Kund:innen gewinnen zu müssen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen einem gelegentlichen Workshop und einer echten Einkommensquelle, auf die du dich verlassen kannst.

Denk außerdem daran: Deine Kursteilnehmerinnen sind auch potenzielle Newsletter-Abonnent:innen, potenzielle Käufer:innen deiner Originale und potenzielle Weiterempfehler:innen. Frag am Ende jedes Kurses, ob du sie in deinen Newsletter aufnehmen darfst, und zeig ihnen, was du sonst noch anbietest. Der Kontakt, der beim Malkurs entsteht, ist oft der wärmste Kontakt in deinem Kunstbusiness, weil ihr euch in einem echten, persönlichen Rahmen begegnet seid.

Und wenn du beim Thema Verkauf und Anbieten noch an der eigenen Blockade hängst, lies gern meinen Artikel über die Angst, Kunst zu verkaufen. Vieles davon gilt eins zu eins für das Anbieten von Kursen.

Motivations Cheat Sheet für Künstlerinnen: 12 Methoden gegen Prokrastination, Kreativblockade und ein Motivationstief. Sofort Motivation finden, Fokus steigern, ins Tun kommen, Routinen aufbauen und Kunstbusiness Aufgaben erledigen, auch ohne Antrieb. Von Kunst & Brot für selbstständige Künstlerinnen.

Malkurse anbieten: Der erste Schritt ist der wichtigste

Du musst nicht alle sechs Schritte gleichzeitig perfekt umsetzen. Was du brauchst, ist ein erster konkreter Kurs, eine klare Zielgruppe und einen Preis, der deinen Aufwand wirklich abbildet. Der Rest kommt mit der Erfahrung, das verspreche ich dir.

Viele Künstlerinnen warten so lange auf den perfekten Moment, dass sie gar nicht starten. Dabei lernt man das Unterrichten genau wie das Malen: durch Machen, nicht durch endloses Planen. Dein erster Malkurs wird nicht perfekt sein. Dein zweiter schon deutlich besser. Und der dritte wird sich bereits leichter anfühlen, als du dir heute vorstellst. Umsatz kommt von Umsetzen.

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