Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen ‚Es gibt diesen Satz, der mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf geht, und zwar: Wenn man jedes Hobby zum Beruf macht, hat man irgendwann kein Hobby mehr.
Ich dachte mir, darüber müssen wir mal sprechen, weil das ein Phänomen ist, das ich gerade in der Kreativbranche und bei Künstlerinnen sehr viel beobachte. Und seien wir ehrlich: Niemand gibt gern zu, keine Hobbys zu haben, weil das irgendwie sofort nach Mangel klingt. Das klingt nach Einseitigkeit, oder? Das klingt nach einem Leben, das nur aus Arbeit besteht.
Aber gleichzeitig lässt sich dieser Satz ja auch irgendwie nicht wegdiskutieren. Wenn man jedes Hobby zum Beruf macht, hat man irgendwann kein Hobby mehr. Und je länger ich darüber nachdenke, desto weniger dramatisch finde ich diesen Satz auch und auch nicht traurig oder so. Er beschreibt halt einfach einen Zustand, den vor allem viele selbstständige Kreative irgendwann erreichen, ohne es wirklich bewusst zu merken.
Viele von uns sind ja nicht mit dem Ziel in die Selbstständigkeit gestartet, möglichst viel zu arbeiten oder sich selbst auszubeuten und bloß keine Freizeit mehr zu haben, sondern im Gegenteil: Mit der Selbstständigkeit wollen wir ja etwas machen, das sich sinnvoll anfühlt, das uns erfüllt. Irgendwas, das zu uns passt, etwas, das wir gerne tun. Aber ich habe eben auch gemerkt, jetzt in den vier Jahren Selbstständigkeit, dass genau deshalb diese Grenze schnell verschwimmt.
Was tun wir gerne, was ist unser Hobby, was ist unsere Arbeit, was ist Teil unserer Selbstständigkeit? Wenn etwas aus Interesse entsteht, aus Freude, aus Neugier, dann fühlt sich genau dieser Teil der Selbstständigkeit nicht wie Arbeit an. Es gibt genug andere Dinge in der Selbstständigkeit, die sich wie Arbeit anfühlen, manchmal bis zu 80 Prozent. Aber die eine Sache, weswegen wir uns selbstständig gemacht haben, diese Leidenschaft, aus der das entstanden ist, die fühlt sich oft nicht nach Arbeit an. Und vielleicht ist das der Grund, warum diese Grenzen so schnell verschwimmen und das Hobby irgendwie nicht übrig bleibt.
Man bekommt viel Verantwortung, das Ganze wächst, und irgendwann merkt man, dass man das, was man tut, zwar immer noch gerne tut, aber dass es eben nicht mehr die gleiche Funktion hat wie früher. Es ist kein Hobby mehr. Und dann kommt irgendwie diese Frage auf: Was für Hobbys hat man eigentlich, wenn man kreativ arbeitet? Wenn man mit Kreativen arbeitet, so wie ich, wenn man beruflich in irgendeiner Form kreativ ist.
Ich habe das Gefühl, dass diese Frage, welche Hobbys hat man dann eigentlich noch, oft mit so einer Erwartung gestellt wird, als müsste da noch was kommen. Als müsste man jetzt noch etwas Neues haben. Als wäre es ungesund, wenn der Beruf und die Leidenschaft, die damit einhergeht, so viel Raum einnehmen.
Aber vielleicht ist das Problem gar nicht, dass das Hobby zum Beruf geworden ist. Dass der Beruf jetzt kreativ ist. Sondern vielleicht auch einfach, wie wir Hobbys definieren. Müssen Hobbys ein Ausgleich sein? Müssen wir mit Hobbys irgendwas kompensieren? Wenn der Beruf schon viel Freude macht, viel Ausdruck erlaubt, viel Freiheiten gibt, man ganz man selbst sein kann, dann gibt es diesen Kontrast vielleicht gar nicht so sehr zwischen Hobby und Beruf.
Trotzdem bleibt natürlich die Frage: Wenn man das, was man am allerliebsten macht, schon der Beruf ist, der Alltag ist und auch zur Aufgabe geworden ist, was macht man dann noch, um sich zu entspannen?
Egal, wie schwer uns das fällt, da nehme ich mich gar nicht aus: Entspannung ist wichtig. Und das ist echt so eine typische Selbstständigenfrage: Was macht man, um zu entspannen? Was macht man, um Freizeit zu haben?
Und ich bin da immer noch auf der Suche. Nach und nach entdecke ich Sachen. Bei mir ist es viel Zeit mit Freunden verbringen, bei mir ist es Pilates, bei mir ist es ins Kino gehen. Aber ich erwische mich auch dabei, in meiner Freizeit Dinge zu tun, die irgendeinen Zweck erfüllen. Es fällt mir schwer, Dinge ohne Zweck zu machen. Das ist irgendwie mit der Selbstständigkeit in mein Gehirn gekommen, dass vieles, auch das, was ich in meiner Freizeit tue, irgendeinem Zweck dienen soll.
Und wenn es nur der Zweck ist, erholt zu sein, damit ich besser arbeiten kann. Also führt auch meine Freizeit manchmal dazu, dass sie mir einfach nur helfen soll, wieder gut zu funktionieren. Das ist nicht falsch, aber es ist eben nicht genau das Gleiche, wie etwas zu tun, das wirklich keinerlei Funktion oder Zweck erfüllen muss. Irgendwas, das ich auch dann tun würde, wenn es niemand sieht, wenn niemand davon erfährt.
Das finde ich schwer. Das fand ich schon immer schwer. Das finde ich aber seit der Selbstständigkeit noch schwieriger, weil gerade in der Selbstständigkeit, die auf Social Media stattfindet, also wo Social Media ein relevanter Marketingkanal ist, bei mir zumindest immer dieser Gedanke dazukommt, auch wenn man ihn nicht ständig ausspricht: Everything is content.
Alles kann verwertet werden, alles kann genutzt werden. Jeder Gedanke, den ich habe, jede Erkenntnis, jedes Erlebnis, alles, was ich mache, Treffen mit Freundinnen, also auch Freizeit, kann Content sein. Weil ich hier eine Idee bekommen habe, weil ich hier einen Workshop mitmache, den ich toll in meiner Story zeigen kann.
Dieses „Alles kann verwertet werden“ ist wirklich der Punkt, wo ich selber aufpassen muss, mehr im Hier und Jetzt zu sein. Denn dieses Everything is content verändert für mich die Art, wie ich verschiedene Dinge erlebe. Ich bin dann nicht mehr nur in der Situation, sondern stehe auch immer so ein bisschen daneben, beobachte mich und denke schon mit, was ich jetzt daraus noch machen könnte.
Das passiert nicht, weil ich unreflektiert oder achtlos bin, sondern es ist Teil meines Denkens geworden, weil Social Media – Instagram – für mich ein wichtiger Marketingkanal ist. Und deswegen gehört Instagram ganz doll zu meiner Arbeit. Aber eben auch in meine Freizeit, weil viele Dinge, die ich in meiner Freizeit mache, perfekt auf Social Media passen. Das macht es mir wirklich schwer, eine klare Linie zu ziehen.
Wenn ich es dann schaffe, ein Hobby zu haben, wie zum Beispiel Pilates oder Spieleabende, dann nicht trotzdem in irgendeiner Form meine Arbeit bei Kunst und Brot dafür zweckzuentfremden. Denn in der Selbstständigkeit, in meiner Selbstständigkeit, bin ich ja die Marke. Das klingt fantastisch und souverän und selbstbestimmt, hat aber auch die Kehrseite, dass ich mich nie ganz rausnehme. Weil ich meine Marke bin, ist auch irgendwie alles, was ich mache, meine Marke und kann dazu werden.
Alles, was ich denke, was ich fühle, was ich erlebe, was ich lerne, kann relevant für meine Selbstständigkeit sein. Und dann stellt sich die Frage: Was ist noch Freizeit? Was ist ein Hobby? Was ist privat?
Mir hat da ein Satz total geholfen für Social Media: Persönliches ist nicht gleich privat. Das heißt, ich kann Persönliches teilen, ohne Privates zu teilen. Ich teile tatsächlich relativ wenig Privates, gerade so von der Wohnung zum Beispiel. Trotzdem kann ich Persönliches teilen: persönliche Gedanken, persönliche Lernerfahrungen, Dinge, die mich persönlich beschäftigen.
Ich kann persönlich sein, muss aber nicht Privates zeigen. Diese Unterscheidung finde ich sehr wertvoll. Es geht nicht darum, irgendwas geheim zu halten, aber ich muss mir einen Raum schaffen, in dem ich die private Heide bin. Und das ist für mich eine ganz gute Trennung.
Ich brauche etwas, das nur mir gehört, das unverwertet bleiben darf. Und manchmal fordere ich mich selbst heraus und frage mich: Was teilst du jetzt mal nicht, obwohl du es könntest, obwohl es passen würde? Weil ich im Hier und Jetzt sein will.
Zum Beispiel bei Spieleabenden oder auch mal bei einem Workshop. Wenn man sich mit Kreativität selbstständig macht, stellt sich schnell die Frage: Wie kann Freizeit, wie kann ein Hobby, wie kann Ausgleich und Entspannung unter diesen Bedingungen überhaupt aussehen?
Ich habe mich dabei ertappt, dass ich bei Workshops, die ich eigentlich in meiner Freizeit mache, sofort darüber nachdenke, Snippets zu filmen, Material für Reels und Stories zu sammeln, Fotos zu machen, die Künstlerin zu taggen. Obwohl das eigentlich Freizeit ist.
Ich habe dann versucht, mir bewusst zehn Minuten für Content zu nehmen und den Rest der Zeit das Handy im Rucksack zu lassen. Aber trotzdem bin ich im Kopf dann Heide von Kunst und Brot und nicht die private Heide. Und genau das ist für mich das Schwierigste: echte Freizeit, nicht nur im Kalender, sondern im Kopf.
Zeit, in der nichts entstehen muss. In der ich Gedanken nicht verwerten, nicht aufschreiben muss. Kein Impuls, kein Learning. Es passiert so oft, dass ich in privaten Gesprächen denke: Oh, das ist ein Reel. Oder: Dazu sollte ich mal einen Newsletter schreiben.
Das ist auch eine große Stärke. Mein Content ist dadurch sehr persönlich, passt zu mir, ich muss mir nie Sorgen machen, dass ich nicht weiß, was ich posten könnte. Das ist ein Vorteil. Aber Freizeit ist etwas anderes. Für mich ist Freizeit nicht nur die Abwesenheit von Arbeit, sondern die Abwesenheit von Erwartung.
Keine Erwartung, dass ich etwas lerne, denke oder erlebe, das ich teilen kann oder das Kunst und Brot weiterbringt. Und diese Leere auszuhalten, fällt mir schwer. Sie macht mich fast nervös. Ich bin es gewohnt, aus allem etwas zu machen.
Die Frage, die unbequem ist, aber wichtig: Darf ich alles, was ich mache, für meine Arbeit nutzen? Natürlich darf ich. Aber will ich das? Was macht es mit mir, wenn es fast keinen Bereich mehr gibt, der nicht zumindest potenziell Arbeit sein könnte?
Das ist mir 2025 besonders aufgefallen, weil ich dieses Jahr zum ersten Mal drei Wochen Urlaub hatte, ohne Content, ohne Verwertung. Und dadurch ist dieser Gedanke überhaupt erst entstanden: Ist es vielleicht gut, Bereiche zu haben, die nichts mit Kunst und Brot zu tun haben – auch nicht potenziell?
Es geht nicht darum, ob ich zu viel arbeite, sondern ob ich noch in der Lage bin, Erlebnisse ohne Zweck zu erleben. Momente zu haben, die nichts mit meiner Selbstständigkeit zu tun haben.
Ich will mehr im Hier und Jetzt sein. Es gibt keine Regel, wie viele Hobbys man haben muss oder was Hobby sein darf. Aber ich will ein besseres Gespür dafür entwickeln, wann diese Grenze zu sehr verschwimmt. Denn ich merke, dass ich dann müde werde, auf eine Art, die ich vermeiden möchte.
Ich glaube nicht, dass ich mehr Hobbys brauche. Aber vielleicht darf ich Hobbys nachgehen, ohne sie zu verwerten. Und vielleicht teile ich das dann nicht auf Instagram.
Wenn dir diese Folge geholfen hat, freue ich mich riesig, wenn du deine Erkenntnisse, Lieblingsstellen oder Argumente mit mir und anderen teilst. Nutze dafür gerne deine Instagram-Stories und verlinke mich. Und wenn du den Podcast noch nicht bewertet und abonniert hast, dann hol das gern nach. Ich freue mich auf die weitere Reise mit dir.


