55 – Die mit den Freiheiten (“Ausgesprochen selbstständig”)

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Wer mich schon ein bisschen kennt, weiß, dass Freiheit mein wichtigster und höchster Wert ist. Wenn es um Selbstständigkeit geht, gibt es eine Freiheit, die sofort vielen in den Sinn kommt. Es ist die Freiheit rund um selbstbestimmte Arbeitszeiten. Kein Büro, keine festen Schichten, keine Stechuhr.

Ich kann anfangen, wann ich will. Ich kann aufhören, wann ich will, und ich kann mir meine freien Tage so legen, wie es zu mir passt. Diese Freiheit ist leicht greifbar, weil sie so konkret ist. Uhrzeiten verstehen wir alle, Kalender kennen wir alle, genauso wie Meetings, Termine oder Zeitfenster.

Deshalb ist das oft die erste Freiheit, an die viele denken, wenn sie über Selbstständigkeit sprechen. Bei mir war das am Anfang genauso. Je länger ich selbstständig bin, desto klarer wird mir allerdings, dass Freiheit in der Selbstständigkeit weit über dieses Offensichtliche hinausgeht. Arbeitszeiten sind nur ein Teil davon, auch wenn es der bekannteste ist.

Die subtilen Freiheiten hinter den Arbeitszeiten

Hinter dem Thema Arbeitszeit steckt ein viel größerer Bereich an Freiheiten. Diese sind oft subtiler und werden deshalb häufiger übersehen. Viele Selbstständige nutzen diese anderen Freiheiten deutlich weniger, als eigentlich möglich wäre. Gerade in der Kreativbranche sehe ich das immer wieder.

Viele Künstlerinnen nutzen diese Möglichkeiten kaum. Deshalb müssen wir darüber sprechen. Vielleicht bist du selbstständig und nutzt zu wenig dieser subtileren Freiheiten. Vielleicht nutzt du sie auch ständig, ohne es überhaupt zu merken.

Beides passiert mir regelmäßig. Entweder nutze ich Freiheiten zu wenig, obwohl ich sie habe. Oder ich nutze sie längst und nehme sie gar nicht mehr als Freiheit wahr. Beides fühlt sich merkwürdig an. Das erste fühlt sich fast wie Verschwendung an.

Dann denke ich mir manchmal, warum ist eigentlich alles so anstrengend, obwohl ich doch so viele Freiheiten habe. Das zweite fühlt sich eher wie Gewöhnung an. Es wird einfach normal, obwohl es eigentlich etwas Besonderes ist.

Warum Freiheit oft so spät im Kopf ankommt

Ich habe mich gefragt, warum es so lange dauert, diese anderen Freiheiten zu erkennen. Warum passiert das nicht automatisch, sobald man selbstständig ist. Gerade wenn man aus einem Angestelltenverhältnis kommt, dauert es oft Monate oder sogar Jahre, bis wirklich im Kopf ankommt, wie viel Gestaltungsspielraum plötzlich da ist.

Ich glaube, das hat viel mit Gewohnheit zu tun. Vor allem dann, wenn man vorher in einem anderen System gearbeitet hat. Das kann ein Angestelltenverhältnis sein, aber auch Schule oder Studium. Wir übernehmen Prozesse und Strukturen aus diesen Systemen.

Manchmal übernehmen wir sie auch einfach aus unserem Umfeld. Viele Dinge werden einfach so gemacht. Obwohl niemand mehr darüber entscheidet außer uns selbst. Viele Menschen starten nicht in die Selbstständigkeit, um sich möglichst streng zu organisieren.

Sie wollen Freiheit, Sinn, Selbstbestimmung und Gestaltungsspielraum. Viele wollen endlich so arbeiten, wie es zu ihrer eigenen Art passt. Bei mir war das genau so. Meine Hauptmotivation für die Selbstständigkeit war, so arbeiten zu können, wie es zu mir passt.

Das alte Betriebssystem im Kopf

Die Ironie ist allerdings: Die Freiheit ist plötzlich da, aber der Kopf läuft immer noch mit dem alten Betriebssystem. Der Kalender sieht plötzlich wieder aus wie früher. Die Struktur fühlt sich an wie früher. Die Regeln sind dieselben wie früher.

Der einzige Unterschied ist, dass jetzt niemand anderes diese Regeln durchsetzt. Jetzt ist es der eigene Kopf. Ich habe das selbst stark gemerkt. Ich bin jetzt seit vier Jahren selbstständig und es dauert wirklich, Systeme und Prozesse zu verändern.

Es dauert, ein neues Betriebssystem einzuspielen. Viele dieser Prozesse sitzen so tief, dass ich sie gar nicht als Prozesse wahrnehme. Ich hinterfrage sie nicht. Sie wirken einfach wie Realität.

Im Angestelltenverhältnis gibt es klare Abläufe. Der Tag beginnt zu einer bestimmten Uhrzeit. Pausen sind vorgegeben oder zumindest üblich. Arbeit wird in Stunden gedacht. Produktivität wird oft an Anwesenheit gemessen.

Entscheidungen werden abgestimmt. Ideen müssen freigegeben werden. Es gibt Feedbackschleifen und Genehmigungen. Wenn das über viele Jahre normal war, verschwindet das nicht einfach, nur weil man keinen Arbeitsvertrag mehr hat.

Freiheit fühlt sich am Anfang oft unsicher an

Selbst wenn der Kopf weiß, dass man jetzt frei entscheiden darf, fühlt es sich manchmal seltsam an, diese Freiheit wirklich zu nutzen. Freiheit klingt zuerst nach Entspannung. In der Realität fühlt sie sich am Anfang oft nach Unsicherheit an.

Darüber wird erstaunlich selten gesprochen. Freiheit bedeutet Verantwortung. Verantwortung bedeutet Entscheidungen treffen. Entscheidungen bedeuten, dass niemand anderes die Verantwortung trägt, wenn etwas nicht perfekt läuft.

Das kann Freiheit schwer machen. Trotzdem sind Freiheiten für mich das Wertvollste an der Selbstständigkeit. Für mich sind sie wichtiger als Status, Anerkennung oder Zahlen. Freiheit ist der Grund, warum ich diese Selbstständigkeit liebe.

Sie ist auch der Grund, warum ich nicht mehr tauschen möchte. Für mich geht es dabei nicht nur um die großen Freiheiten wie Arbeitszeiten oder Arbeitsort. Es geht um die vielen kleinen Freiheiten im Alltag.

Zwei typische Stolperfallen bei Freiheit

Mit der Zeit habe ich zwei typische Stolperfallen erkannt. Die erste ist relativ offensichtlich. Viele Selbstständige nutzen ihre Freiheiten zu wenig. Alte Muster und Glaubenssätze sind so fest verankert, dass sie gar nicht hinterfragt werden.

Die zweite Stolperfalle ist versteckter. Viele sehen Freiheiten, die sie längst nutzen, gar nicht mehr als Freiheit. Sie nehmen sie einfach als normal wahr. Beide Stolperfallen sorgen dafür, dass Freiheit in der Selbstständigkeit gar nicht so erlebt wird, wie sie eigentlich existiert.

Das erste Problem sieht oft so aus: Man könnte etwas verändern, tut es aber nicht. Nicht weil es unmöglich wäre. Sondern weil es sich ungewohnt anfühlt. Oder weil der Kopf sagt, so macht man das nicht.

Ein Beispiel sind Arbeitszeiten. Viele könnten später anfangen. Trotzdem beginnen sie jeden Tag zur gleichen Uhrzeit. Obwohl ihre Energie vielleicht morgens noch gar nicht da ist.

Alte Muster im neuen Business

Viele planen Meetings oder Livestreams zu Zeiten, die eigentlich gar nicht zu ihrem eigenen Rhythmus passen. Der Arbeitstag folgt immer noch der Logik eines klassischen Bürojobs. Das passiert sogar dann, wenn das eigene Business überhaupt nicht wie ein Büro funktionieren muss.

Ein anderes Beispiel sind Pausen. Manche Selbstständige erlauben sich eine Pause erst dann, wenn vorher genug erledigt wurde. Dieses Muster stammt oft aus früheren Arbeitsstrukturen. Dabei muss niemand diese Erlaubnis geben.

Die einzige Person, die diese Pause erlauben muss, ist man selbst. Ich könnte mittags eine Stunde malen. Ich könnte eine Podcastfolge mit einer Kuscheldecke auf dem Sofa vorbereiten.

Ich kann entscheiden, ob ich im Atelier arbeite oder zu Hause am Küchentisch. Trotzdem fühlt sich das manchmal immer noch wie eine Ausnahme an. Dabei ist es einfach eine Freiheit, die ich habe.

Wenn Freiheit plötzlich normal wird

Die zweite Stolperfalle finde ich fast noch spannender. Viele Selbstständige sehen Freiheiten gar nicht mehr, weil sie schleichend entstehen. Irgendwann arbeitet man auf der Couch. Irgendwann arbeitet man in Jogginghose.

Irgendwann beginnt man den Arbeitstag, wann es passt. Irgendwann macht man frei, wenn man frei machen möchte. Irgendwann kauft man Dinge für das Business, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

Irgendwann merkt man, dass es keine Feedbackschleifen gibt. Keine Abstimmungsrunden. Keine Prozesse, die man einhalten muss, obwohl sie unsinnig erscheinen.

Je normaler das wird, desto weniger wird es als Freiheit wahrgenommen. Dann wird es einfach Alltag. Und genau da liegt der Knackpunkt.

Wenn Freiheit unsichtbar wird

Wenn Freiheit unsichtbar wird, bleibt im Bewusstsein oft nur noch der anstrengende Teil der Selbstständigkeit. Verantwortung, Druck, Risiko, Unsicherheit, Steuern, Entscheidungen und Selbstdisziplin. All diese Dinge sind natürlich real.

Sie gehören zur Selbstständigkeit dazu. Freiheit ist aber genauso real. Wenn sie uns nicht mehr bewusst ist, kippt das Gleichgewicht.

Dann bleibt im Kopf nur noch die anstrengende Seite. Deshalb hilft es mir, Freiheit nicht als großes Ideal zu sehen. Für mich ist sie eher die Summe vieler kleiner Entscheidungen.

Viele dieser Entscheidungen treffe ich jeden Tag. Oft sogar automatisch. Wo ich arbeite, wann ich arbeite, wie ich arbeite, woran ich arbeite.

Ich bin frei in diesen kleinen Entscheidungen. Manchmal erinnere ich mich bewusst daran. Vor allem an schwierigen Tagen.

Ein kleines Gedankenexperiment

Wenn es mir besonders schwer fällt, mache ich ein Gedankenexperiment. Ich stelle mir vor, ich wäre noch einmal einen Tag angestellt. Dann stelle ich mir vor, ich müsste fragen, ob ich von zu Hause arbeiten darf.

Ich müsste fragen, ob ich später anfangen darf, weil ein Handwerker kommt. Ich müsste fragen, ob ich frei machen darf. Ich müsste erklären, warum ich einen Prozess ändern möchte.

Allein diese Vorstellung verändert meine Perspektive sofort. Es hat nichts damit zu tun, dass Angestelltenverhältnisse schlecht wären. Für viele Menschen sind sie genau richtig.

Viele schätzen Struktur und Sicherheit. Das kann ich absolut nachvollziehen. Für mich persönlich ist das Fragen müssen allerdings der Punkt, an dem ich merke, wie wichtig mir Freiheit ist.

Die vielen kleinen Freiheiten im Alltag

Selbstständigkeit kostet Energie, Geduld und manchmal auch Nerven. Sie fordert Selbstführung, Verantwortung und Disziplin. Das gehört dazu.

Aber es gibt eben auch diese vielen kleinen Freiheiten. Zum Beispiel meine Arbeitsweise. Ich kann entscheiden, wie ich arbeite.

Ich kann Entscheidungen treffen und sie wieder verwerfen. Ich kann mein Tempo bestimmen. Ich kann entscheiden, mit wem ich arbeite.

Ich kann entscheiden, wie ich kommuniziere. Ich kann entscheiden, wo ich arbeite und was ich anziehe.

All diese Dinge sind im Angestelltenverhältnis oft geregelt. In der Selbstständigkeit sind sie plötzlich offen. Und genau darin liegt eine enorme Freiheit.

Freiheit ist nicht immer bequem

Trotzdem müssen wir ehrlich sein. Freiheit fühlt sich nicht immer angenehm an. Manchmal fühlt sie sich auch leer oder einsam an.

Man muss sie selbst gestalten. Man muss Entscheidungen treffen. Man trägt Verantwortung für das Ergebnis.

Freiheit hat immer zwei Seiten. Sie gibt Gestaltungsspielraum und fordert gleichzeitig Klarheit. Für mich fühlt sich Selbstständigkeit deshalb manchmal wie ein Umbauprozess an.

Im Angestelltenverhältnis gab es Leitplanken. Jetzt baue ich diese Leitplanken selbst. Das dauert.

Freiheit bewusst wahrnehmen

Mir hilft es, Freiheit bewusst wahrzunehmen. Gerade in schwierigen Phasen stelle ich mir Fragen. Was habe ich heute frei entschieden.

Wo habe ich heute gearbeitet. Wie habe ich meinen Tag begonnen. Welche Pause habe ich mir erlaubt.

Welche Idee habe ich umgesetzt, ohne dass jemand sie genehmigt hat. Solche Fragen bringen mich zurück zu diesem Gefühl von Freiheit.

Sie erinnern mich daran, dass diese Freiheit jeden Tag da ist. Und dass sie ein großer Teil dessen ist, warum ich diesen Weg gewählt habe.

Eine letzte Frage zum Schluss

Vielleicht hilft dir eine letzte Frage. Wo würdest du dir in deiner Selbstständigkeit mehr Freiheit erlauben.

Vielleicht ist es ein späterer Start in den Tag. Vielleicht ist es ein freier Tag ohne Rechtfertigung.

Vielleicht ist es eine Pause ohne vorherige Leistung. Vielleicht ist es eine Entscheidung, die du längst treffen wolltest.

Wenn du selbstständig bist, ist da sehr viel Freiheit. Oft mehr, als es sich im Alltag anfühlt. Und für mich ist genau diese Freiheit immer noch das Beste an der Selbstständigkeit.

Wenn ich mir vorstelle, nur einen einzigen Tag all diese kleinen Freiheiten nicht zu haben, dann nehme ich alle Herausforderungen der Selbstständigkeit immer wieder gern in Kauf.

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