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Mehr InformationenIn genau 304 Tagen, also in 10 Monaten, läuft mein Mietvertrag für mein Atelier-Büro-Coaching-Raum aus, und das ist ein Thema, das mich gerade sehr beschäftigt. Diese Räume, in denen ich arbeite, habe ich angemietet, bevor ich Kunst & Brot überhaupt gegründet hatte. Sie sind ein großer Teil meiner Brand Story, denn ich habe damals auf mich gewettet: Ich habe den Mietvertrag für 5 Jahre unterschrieben, bevor ich überhaupt wusste, was ich hier genau machen würde und ob das was wird. Ende 2021 habe ich unterschrieben, und erst im Januar 2022 habe ich Kunst & Brot gegründet.
Es sind hier 3 Räume plus eine kleine Teeküche und Bad, insgesamt ungefähr 60 Quadratmeter, die ich ganz für mich alleine habe. Das ist ein großes Privileg und ein großer Luxus, den ich sehr schätze. In 304 Tagen sind diese 5 Jahre rum, die 5 Jahre, für die ich damals unterschrieben habe, was sich damals völlig wahnsinnig angefühlt hat. Natürlich sind diese Räume ein großer Teil meines Business: Aus diesen Räumen sieht man meine Instagram Stories, von hier gehe ich auf Instagram live, von hier mache ich alle Masterclasses und so weiter. Sie sind ein Teil von Kunst & Brot, und nun läuft dieser Mietvertrag in 10 Monaten aus.
Ich habe die Entscheidungsmöglichkeit zwischen drei Optionen: Ich könnte versuchen, den Mietvertrag zu verlängern und mit meinem Vermieter sprechen. Ich könnte mir aber auch etwas Neues suchen, andere Räume, ein neues Büro. Oder ich könnte von zu Hause arbeiten: Wir haben ein kleines Homeoffice, ein drittes Zimmer zusätzlich zu Schlafzimmer und Wohnzimmer, in dem ein Schreibtisch mit Bildschirm steht. Ich habe die Entscheidung noch nicht getroffen, weil das für mich keine rein strategische Entscheidung ist. Ich habe gemerkt: Das ist vor allem eine sehr emotionale Entscheidung, denn auch die Anmietung dieser Räume damals war eine rein emotionale Entscheidung. Ich brauchte sie nicht, ich war noch nicht mal selbstständig, und ich hätte Kunst & Brot auch von zu Hause aus gründen können. Aber es war meine Art, mir zu zeigen, wie ernst ich das meine und wie wichtig mir das ist. Es war wichtig, damit Kunst & Brot von Anfang an diese Ernsthaftigkeit hatte und ich alles da reingesteckt habe und auch daran geglaubt habe.
Jetzt ist viel Zeit vergangen, es hat sich natürlich viel entwickelt, und ich stehe wieder vor dieser Entscheidung. Ich merke immer wieder, dass ich mich innerlich schon von diesen Räumen verabschiede, von den Möbeln, aber vor allem von meinen ganzen Malsachen, denn die sind ja auch hier. Einen Raum nutze ich als Coaching-Raum für Vor-Ort-Coachings in Potsdam, einen als Büroraum, in dem mein Schreibtisch und mein Bildschirm stehen und in dem ich die meiste Zeit sitze, wenn ich am Computer arbeite. Und dann habe ich in der Mitte einen großen Atelierraum mit einem riesigen Tisch und all meinen Malsachen: Ölmalerei, Acryl, Gouache, Aquarell, Buntstift, aber auch alles zum Stempelschnitzen, dazu all das Papier, die Leinwände, Rollwagen voller Materialien, Farben, Pinsel, Spachtel, wirklich alles, was man sich vorstellen kann. Dieser mittlere Raum liegt mir sehr am Herzen, das ist auch der, aus dem ich die Mahlzeit mache, also den Livestream mittwochs auf Instagram.
Ich merke, dass ich diesen Abschiedsprozess von diesen Räumen begonnen habe. Vom Büro und vom Coaching-Raum kann ich mich gut verabschieden, weil diese Räume für mich eher funktional sind. Die sind cool, ich mag sie, und ich mag, dass ich hier mein eigenes Reich habe, aber das ist eher eine rationale Geschichte, die ich irgendwie anders lösen kann. Doch von diesem Atelierteil kann ich mich nicht so richtig verabschieden, obwohl er für mein Business, für Kunst & Brot, eigentlich der unwichtigste Teil ist. Ich verdiene ja kein Geld mit meiner Kreativität oder meiner Kunst, dafür bräuchte ich eher Coaching- und Büroraum. Aber diesen Atelierteil aufzugeben, mit meinen ganzen Malsachen, das fühlt sich wirklich an, als würde ich ein Stück von meinem Herzen hergeben, und das ist hart.
Wenn ich mich entscheiden würde, von zu Hause zu arbeiten, kann ich dort keine riesigen Leinwände hinstellen, keine Staffeleien und so weiter, dafür haben wir nicht den Platz in unserer Wohnung. Das heißt: Wenn ich die Räume hergebe und mich entscheide, von zu Hause zu arbeiten, müsste ich all diese Dinge loslassen. Und da blutet mir das Herz, das muss ich ganz ehrlich sagen, das wäre wirklich etwas, das ich aufgeben würde, und das hätte ich vorher gar nicht so gedacht, weil diese Malsachen ja eigentlich kein Teil meiner Selbstständigkeit sind. Aber offensichtlich sind sie ein Teil meiner Identität, und da hadere ich sehr mit mir.
Gleichzeitig hat es natürlich viele Vorteile, keine eigenen Räume mehr zu haben. Das Erste ist die finanzielle Ersparnis: Konkret bedeutet das 17.000 Euro im Jahr, die ich nicht ausgeben würde, Geld, das ich entweder anderweitig investieren oder schlicht nicht mehr verdienen müsste. Zu der Miete kommt ja noch Umsatzsteuer, weil es Gewerberäume sind, dazu Strom, Internet, Rundfunkgebühren, eine Inventarversicherung, alles zusammen also ungefähr 17.000 bis 18.000 Euro im Jahr, nur weil ich diese Räume habe. Das wäre natürlich eine große Entlastung, diese Kosten nicht mehr zu haben. Und es wäre auch eine Entlastung, weil es natürlich weniger Verantwortung bedeuten würde: Ich müsste 60 Quadratmeter weniger putzen, aber auch all die Kleinigkeiten wegfallen, die Zeit und Energie kosten, wenn man etwas mietet, die Erreichbarkeit für den Vermieter, dieser ganze Erwachsenenkram, der dazugehört, wenn man verantwortlich ist für diese Räume.
Ein Vorteil wäre auf jeden Fall ein noch höheres Maß an Unabhängigkeit und Freiheit, weil diese Verbindlichkeit, sowohl finanziell als auch die Verantwortung, wegfallen würde. Und die Räume aufzugeben wäre natürlich auch eine Chance auf etwas Neues, auf Veränderungen. Ich liebe Veränderungen, ich liebe Neues, und immer, wenn etwas wegfällt, entsteht Raum für etwas anderes, etwas Spannendes, und da bin ich natürlich auch ein bisschen neugierig, was das sein könnte.
Aber diese Räume aufzugeben hätte auch Nachteile. Ich hätte erstmal nichts Eigenes, was auch immer das bedeutet. Und in meinem Kopf ist tatsächlich der Gedanke, ob das weniger professionell wirken würde, wenn ich keine eigenen Räume hätte. Ich frage mich, wie andere das von außen sehen, ob das etwas damit macht, wie professionell ich wahrgenommen werde. Es würde auch bedeuten, dass Künstlerinnen keine Workshops mehr bei mir geben könnten, was ich eigentlich richtig cool finde. Ich hätte viel weniger Platz für all meine Dinge und müsste sehr viel loslassen und mich von vielem verabschieden, bei manchen Sachen wäre das sicher nicht ganz so dramatisch, bei anderen wäre das richtig schwer. Und wenn ich keine eigenen Räume hätte, könnte ich keine Vor-Ort-Termine mehr anbieten, für Coachings oder Workshops, beziehungsweise müsste ich dann etwas organisieren und anmieten, was nicht mein eigenes ist.
Falls ich mich entscheiden sollte, wirklich von zu Hause zu arbeiten, könnte das auch dazu führen, dass man mehr von meinem Zuhause auf Social Media sieht, weil das ja mein Marketingkanal ist und ich mich dort zeige und meinen Alltag. Das möchte ich aber eigentlich nicht so gern: Ich zeige ja relativ wenig von meinem Zuhause auf Social Media oder generell von meinem Privatleben, und ich hätte dann keinen Raum mehr für diese ganz klare Trennung zwischen hier arbeite ich und hier lebe ich. Aus all diesen Gründen gibt es noch keine Entscheidung, und es sind ja auch noch 304 Tage, das ist gefühlt eine Ewigkeit. Aber ich weiß auch aus Erfahrung, wie schnell Zeit verfliegt, und dass 10 Monate gar nicht so lang sind, wie es sich jetzt anfühlt. Gerade falls ich mich entscheiden sollte, mich mit einer Alternative zu beschäftigen, muss ich ja anfangen, mich damit zu beschäftigen.
Das beschäftigt mich gerade sehr, treibt mich um und ist ein großes Thema in meinem Kopf, manchmal auch nachts, wenn ich aufwache, weil ich noch zu keiner Lösung gekommen bin. An manchen Tagen tendiere ich zu dem einen, an anderen Tagen zu dem anderen, das ist ja ganz normal in solchen Prozessen. Ich spüre, wie ich Abschied nehme von diesen Räumen, aber ich weiß noch nicht, was stattdessen kommt. Es bleibt also spannend, und ich freue mich, wenn du mich auf diesem Weg begleitest. Ich halte dich auf dem Laufenden und wir gucken mal, was so passiert mit den Räumen und Kunst & Brot, was das auch für mich bedeutet und meine Arbeit. Langweilig wird es hier also so schnell nicht.



