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Weitere Informationen ‚Nach allem, was ich so mitbekomme, ist Einsamkeit in der Selbstständigkeit nichts Außergewöhnliches, auch wenn kaum jemand offen darüber spricht. Ich bekomme es jedenfalls nicht so häufig mit, also nutze ich diese Folge, um ehrlich darüber zu sprechen, wie sich das für mich anfühlt und warum es auch irgendwie normal ist.
Selbstständigkeit kann einsam sein. Sie ist das nicht immer, natürlich auch nicht jeden Tag, aber immer mal wieder fällt es mir auf. Ich glaube, das ist eine Konsequenz daraus, wie diese Arbeitsform aufgebaut ist, vor allem dann, wenn man Einzelunternehmerin ist. Ich arbeite viel allein, ich verbringe viele Stunden ohne direkten Austausch, ohne spontane Gespräche, ohne dieses beiläufige Miteinander, das früher im Büro, im Angestelltenverhältnis mit Kolleginnen einfach da war. Das war normal und das war Alltag.
Auch wenn ich mir diese Arbeitsweise als Einzelunternehmerin bewusst ausgesucht habe, heißt das nicht, dass sich alles daran immer leicht anfühlt oder dass alles perfekt ist. Das war auch einer der Gründe, warum ich den Artist Business Club gegründet habe, vor mittlerweile über zwei Jahren. Mein erster Gedanke war: Selbstständigkeit kann einsam sein, lass es uns weniger einsam machen.
Ich finde, es ist besonders diese Einsamkeit, wenn es um Entscheidungen geht. Das ist bei mir ein ganz großes Ding. Ich treffe jede Entscheidung in meiner Selbstständigkeit allein: Große Entscheidungen, kleine Entscheidungen, strategische, alltägliche. Es gibt niemanden, der mir sagt, ob etwas richtig oder falsch ist, ob ich auf dem Holzweg bin. Es gibt auch niemanden, der die Verantwortung dafür mitträgt oder übernimmt. Diese Freiheit schätze ich total, ich würde sie nicht mehr hergeben wollen, aber sie bringt eben Herausforderungen mit sich und fühlt sich manchmal einsam an. Entscheidungen hängen in meinem Business komplett von mir ab. Ich kann sie nicht einfach abgeben. Ich kann nicht mal kurz in einem Gespräch ein Thema besprechen. Manchmal trage ich Entscheidungen ewig mit mir herum, länger als mir lieb ist.
Gespräche sind in der Selbstständigkeit sowieso so eine Sache. Einen Großteil des Tages führe ich alle Gespräche mit mir selbst. Nicht unbedingt laut, manchmal aber auch das, sind wir ehrlich, manchmal auch hier im Podcast. Da denke ich laut nach, so wie jetzt gerade. Ich denke laut darüber nach, dass sich Selbstständigkeit manchmal einsam anfühlt. Ich denke Entscheidungen und Themen in meinem Kopf durch, argumentiere innerlich pro und contra, verwerfe Ideen, drehe mich im Kreis. Das ist normal, aber ich mache es nur eben allein.
Das ist manchmal anstrengend, manchmal richtig kräftezehrend, weil diese Gedanken nie ausgesprochen werden und sich dadurch größer und dramatischer anfühlen, als sie sein müssten. Da fehlt manchmal der Blick von außen. Eine Person, die sagt: Das klingt logisch. Oder: Hast du schon mal XY ausprobiert. Oder auch einfach: Ich sehe das anders. All das diskutiere ich im Alltag mit mir selbst. Ich bin den ganzen Tag in meinem Kopf und ich wälze Themen hin und her, überlege, plane, zweifle, entscheide, verwerfe. Selbst wenn ich Pause mache, Urlaub habe, frei habe oder Feierabend, bleibt mein Kopf im Arbeitsmodus. Das ist in der Selbstständigkeit, glaube ich, normal und es ist kein Drama. Trotzdem habe ich das Gefühl, dadurch, dass ich komplett allein für alles verantwortlich bin, gibt es diese konstante innere Beschäftigung. Wenn ich das bei mir beobachte, ist dieses Gefühl von Einsamkeit schon präsent, weil niemand sieht, womit ich mich gerade innerlich beschäftige. Niemand bekommt mit, wie viele Gedanken parallel laufen. Ich spreche nicht darüber, schon gar nicht während der Arbeitszeit, weil ich hier alleine sitze, alleine im Büro, alleine im Atelier. Die meiste Zeit finde ich das fantastisch, aber manchmal ist es eben auch einsam.
Es fehlen direkte Kolleginnen, denn niemand sitzt neben mir und da sind keine Menschen, die automatisch denselben Arbeitsalltag teilen. Dann fehlen diese kurzen Gespräche auf dem Flur, gemeinsame Mittagspausen, manchmal auch ein gemeinsames Augenrollen über irgendein Thema. Obwohl ich früher Meetings gehasst habe, das war einer der Hauptgründe, warum ich gekündigt habe, die Menge an Meetings, habe ich in der Selbstständigkeit gemerkt, dass Meetings auch eine soziale Funktion hatten. Auch wenn sie manchmal fürchterlich ineffizient waren, waren sie gut für Austausch, Verbindung, Gemeinschaft. Das habe ich damals nicht immer so gesehen. Jetzt, wo sie fehlen, ordne ich ihnen diese Eigenschaften zu. So sehr ich Meetings früher verflucht habe, manchmal hätte ich heute gerne eins.
Ich hatte zum Glück heute eins. Ich hatte heute eins mit meiner Mitarbeiterin. Auch wenn meine Mitarbeiterinnen nicht in Potsdam bei mir im Büro sitzen, habe ich wenigstens ein paar Stunden in der Woche Austausch. Heute hatten wir ein Meeting über Zoom. Dieses gemeinsame Nachdenken, sich zusammenzusetzen, dieses Gefühl, nicht allein zu sein mit einem Thema, das hat mir gut getan. Manchmal fehlt mir dieses gemeinsame Besprechen, weil ich blinde Flecken schneller erkenne. Manchmal ist es auch einfach schön, verstanden zu werden. Vielleicht ist das die größte Ironie an der Selbstständigkeit, dass man sich nach Dingen sehnt, die man früher loswerden wollte, wie Meetings. Heute habe ich mich sehr gefreut über dieses Meeting, aber früher war jedes Meeting im Kalender eins zu viel.
Wie finde ich in der Selbstständigkeit diesen Austausch, dieses Gedanken teilen, wenn diese Strukturen fehlen. Wenn es keine regelmäßigen Meetings gibt, kein Kick Off oder sowas. Diese Frage stelle ich mir immer wieder und ich habe sie viel zu spät gestellt, erst nach zwei, vielleicht sogar drei Jahren Selbstständigkeit. Das war viel zu spät, weil Austausch in der Selbstständigkeit nicht mehr zufällig passiert. Früher im Büro war das einfach da. aber jetzt muss ich Austausch aktiv suchen, wenn ich ihn will, und ich will ihn, weil er wichtig ist. Dieses Suchen kostet Energie, denn ich muss entscheiden, jemanden anzuschreiben, mich zu verabreden oder vielleicht muss ich mich entscheiden, Teil von etwas zu werden, einer Gruppe, einem Netzwerk.
Ich habe mich auch dabei erwischt, je länger ich allein arbeite, desto größer wird die Hürde, wieder rauszugehen. Wieder aktiv Austausch zu suchen. Diese Einsamkeit macht mich manchmal träge. Träge ist das richtige Wort. Sie lähmt fast oder macht mich müde. Dann stellt sich die Frage, wie findet man überhaupt seine Bubble, seine Leute. Ich habe gemerkt, nicht jeder Austausch tut automatisch gut oder bringt mich voran. Nicht jede Gruppe passt. Nicht jedes Netzwerk fühlt sich richtig an. Jeder kennt dieses Gefühl, unter Menschen zu sein und sich trotzdem allein zu fühlen. Das gibt es auch. Wie findet man diese Bubble, dieses Netzwerk, auf das man sich freut. Manchmal reicht ein einziges ehrliches Gespräch, um sich wieder verbunden zu fühlen. Diese Bubble zu finden, in die man passt, wo man sich öffnen kann, ist ein großes Geschenk. Es lässt sich nicht erzwingen, erfordert aber Proaktivität. Ich musste mich dafür auf den Weg machen und mich öffnen, damit es möglich war.
Zusätzlich kompliziert ist für mich, dass ich durch die Art, wie ich mein Marketing mache, ständig in Kontakt bin. Ich bin sichtbar auf Social Media, ich spreche mit Menschen, ich schreibe mit Menschen, ich bekomme Nachrichten, Feedback, Reaktionen. Das macht dieses Gefühl von Einsamkeit trotzdem nicht weg. Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch Nähe oder Austausch über das, was mich gerade bewegt. Verbundenheit ist etwas anderes als Reichweite.
Diese Einsamkeit zeigt sich bei mir vor allem in Momenten, in denen mir Austausch fehlt. Ich kann nicht immer sagen, mit wem oder worüber, aber ich merke: Ich war zu lange allein mit meinen Gedanken, allein mit meinen Entscheidungen. Ich habe zu wenig darüber gesprochen, zu wenig gelacht, zu wenig geheult, zu wenig geteilt. Dann nenne ich es Einsamkeit.
Wahrscheinlich gibt es keine einfache Lösung gegen diese Einsamkeit, wenn ich Einzelunternehmerin bin und keine Kolleginnen vor Ort habe. Da hilft kein Tool, kein Trick, keine Anleitung, die automatisch alles besser macht. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, nach vier Jahren als Einzelunternehmerin, dass es kleine Dinge gibt, die mir sehr helfen, wenn dieses Gefühl kommt. Es klingt banal, aber es ist bewusst Kontakt suchen. Selbst wenn ich keinen Bock darauf habe, weil ich müde bin oder träge durch diese Einsamkeit. Ich achte dann darauf, Gespräche zu führen, die nicht nur fachlich sind. Dazu gehört auch, mir einzugestehen, dass Einsamkeit dazugehört. Es sagt nichts darüber aus, wie erfolgreich ich bin. Es gehört dazu. Dieses Eingeständnis macht es schon besser.
Ich merke auch, dass ich bei diesem Thema zwei Dinge auseinanderhalten muss. Einerseits Alleinsein, andererseits Einsamkeit. Alleinsein und Einsamkeit sind nicht das Gleiche. Ich bin gern allein. Ich bin super gern allein im Büro, im Studio. Ich brauche viel Zeit für mich, arbeite gern konzentriert, mag die Ruhe, in der ich denken kann, ohne unterbrochen zu werden. Ich war schon vor der Selbstständigkeit ein Fan von Home Office. Ich bin gern allein. Einsamkeit ist eine andere Ebene. Einsamkeit ist nicht die Abwesenheit von Menschen, sondern für mich ein Mangel an Verbindung. Das kann auch da sein, wenn ich mit jemandem geschrieben habe oder den ganzen Tag online war. Es ist eher dann da, wenn ich mit etwas allein bleibe, obwohl ich es teilen will.
Ich bringe das manchmal durcheinander. Es sind zwei verschiedene Dinge. Ich bin gern allein. Einsam bin ich, wenn ich etwas teilen will oder über etwas reden will oder mich im Kreis drehe und niemand da ist, egal ob virtuell oder physisch. Ich habe mir diese Arbeitsweise ausgesucht, weil ich das Alleinsein schätze, weil ich Ruhe, Freiheit, Selbstbestimmung wollte. Trotzdem gibt es Momente, in denen diese Freiheit nervig ist, weil niemand da ist, weil kein Meeting im Kalender steht. Es gibt Tage, da ist Alleinsein fantastisch. Ich komme voran, ich habe Klarheit, ich bin bei mir. Es gibt Tage, da ist es komplett anders. Dann komme ich mit Gedanken nicht voran, drehe mich im Kreis, Entscheidungen dauern ewig, weil niemand da ist, mit dem ich reden kann.
Früher hätte ich das vielleicht nicht Einsamkeit genannt. Ich hätte gesagt, ich bin überfordert oder schlecht organisiert. Jetzt merke ich, mir fehlt Austausch. Ich fühle mich einsam. So sieht Einsamkeit bei mir in der Selbstständigkeit aus. Es ist nicht dieses Gefühl von ich bin allein, sondern eher: Ich komme nicht weiter. Ich bin jemand, der über Dinge reden muss, um klar zu werden. Das ist manchmal ein Fluch. Dafür hilft dieser Podcast sehr. Kann ich empfehlen, wenn du auch jemand bist, dem Dinge erst klar werden, wenn er sie ausspricht. Während ich hier mit dir darüber rede, habe ich viele Aha Momente. Auch wenn ich allein im Büro sitze, ist es nicht ganz so einsam, weil ich darüber rede.
Ich muss oft an meinen letzten Job denken. Ich konnte mit meinem wunderbaren Chef hervorragend streiten und diskutieren. Ich vermisse, wie fantastisch wir streiten konnten. Da sind Türen geflogen und alles. Wir konnten richtig streiten und abends zusammen Bier trinken gehen. Hart zur Sache, wir hatten eine gute Ebene. Das fehlt mir in solchen Momenten, weil ich dann nicht in den Flow komme. Ich bin leidenschaftlicher Mensch, emotionaler Mensch. Ich habe es sehr geschätzt, dass er meiner Leidenschaft und meinen Emotionen und meinen unausgereiften Gedanken Raum gegeben hat und wir streiten konnten, damit mir Dinge klarer werden. Das fehlt mir. Das passt zu dem, was ich über Entscheidungen gesagt habe. Ich treffe alles alleine. In Phasen, in denen ich viel allein bin und wenig Austausch habe, spüre ich, wie sehr mir ein Gegenüber fehlt. Nicht, damit jemand die Entscheidung abnimmt, sondern um zu diskutieren, um Dinge zu besprechen.
Ich merke das manchmal zu spät oder erst im Nachhinein, dass ich zu lange keinen Austausch gesucht habe, zu lange niemanden angerufen habe, zu lange alles mit mir selbst ausgemacht habe. Ich versuche, besser auf Anzeichen zu achten: Ich werde ungeduldiger, meine Zündschnur wird kürzer, ich verliere schneller den Überblick, ich zweifle mehr. Das sind Anzeichen, dass ich mal wieder mit jemandem reden sollte und das ist nichts, was sich mit einem Buch oder einem Podcast lösen lässt. Dann brauche ich einen Spaziergang mit einem lieben Menschen oder ein Zoom-Date mit einem lieben Menschen, denn dann brauche ich jemanden, der kurz sagt: “Ja, kenne ich.” Das ist ein schöner Satz. In der Selbstständigkeit habe ich oft das Gefühl, ich bin der einzige Mensch auf der Welt, dem es so geht. Das ist Quatsch und auch ein Grund, warum es diesen Podcast gibt. Manchmal ist es schön, wenn jemand einfach sagt: “Ja, kenne ich auch”.
Ich arbeite allein. Das wird sich nicht ändern und das will ich auch gar nicht. Ich möchte mich nicht dauerhaft einsam fühlen. Deshalb achte ich mehr auf diesen Unterschied: Allein sein ist ein Zustand, aber Einsamkeit ist ein Gefühl und das sind zwei verschiedene Sachen. Ich bin hier allein im Büro, aber weil ich gerade diesen Podcast aufnehme und mit dir über diese Gedanken spreche, bin ich nicht einsam. Vielleicht hilft es dir auch schon ein Stück, dass wir gerade darüber gesprochen haben. Mir hilft es auf jeden Fall, um mich ein kleines Stück weniger allein damit zu fühlen.



