51 – Die mit dem verflixten 4. Jahr (“Ausgesprochen selbstständig”)

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Wenn du auch selbstständig bist und vielleicht schon ein paar Jahre dabei bist, dann hast du diese Formulierung wahrscheinlich auch schon gehört oder andere Selbstständige haben dir davon erzählt oder dich davor gewarnt. Das verflixte vierte Jahr. Dieses Jahr, vor dem gewarnt wird, lange bevor überhaupt klar ist, ob man mit der Selbstständigkeit bis dahin durchhält.

Als ich mich im Januar 2022 mit Kunst & Brot selbstständig gemacht habe, wurde ich von anderen Selbstständigen genau vor diesem verflixten vierten Jahr gewarnt. Nicht vor dem ersten Jahr, nicht vor dem zweiten Jahr, sondern vor dem vierten Jahr. Damals war das für mich absurd weit weg und ich habe überhaupt nicht verstanden, was damit gemeint war. Ich wusste ja nicht einmal, ob ich es mit Kunst & Brot überhaupt vier Jahre schaffen würde. Vier Jahre fühlten sich an wie eine ferne Zukunft, nichts Reales, nichts, womit ich mich auch nur eine Sekunde beschäftigen sollte.

Ich erinnere mich noch gut an diese Warnungen. Sätze wie: Warte mal ab, das vierte Jahr. Oder: Das vierte Jahr hat es dann in sich. Oder: Leg jetzt schon mal Geld für das vierte Jahr zurück. Ich konnte damit nichts anfangen, denn ich war mit ganz anderen Dingen beschäftigt: Sichtbarkeit aufbauen, Kundinnen finden, überhaupt Geld verdienen und mich selbst ernst nehmen als Selbstständige. Das hatte Priorität. Dieses vierte Jahr war so weit weg, dass ich keinerlei Vorstellung davon hatte. Es war einfach eine Zahl.

Ich glaube wirklich, dass es vielen Selbstständigen so geht. Man hört diese Warnung, nickt vielleicht, speichert sie irgendwo ab oder auch nicht, aber sie erreicht einen emotional nicht. Sie landet nicht dort, wo man versteht, wie es sich wirklich anfühlt, in diesem verflixten vierten Jahr zu sein. Dafür ist man im ersten und zweiten Jahr viel zu sehr im Überlebensmodus. Vielleicht nimmt man wenigstens den Hinweis ernst, ab Tag 1 Geld für Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Gewerbesteuer und so weiter beiseite zu legen. Auch wenn die Zahlungen für den Großteil davon bei vielen erst in diesem verflixten vierten Jahr fällig werden. Bei mir bei Kunst & Brot ist dieses vierte Jahr jetzt vorbei, ganz offiziell. Ich bin im Januar 2022 gestartet und bin jetzt im fünften Jahr meiner Selbstständigkeit.

Rückblickend kann ich ganz ehrlich sagen, dieses vierte Jahr war mit Abstand das härteste. Härter als das erste Jahr. Das überrascht viele, weil oft angenommen wird, dass das erste Jahr das schwierigste ist. Da ist zwar alles neu, unsicher, nichts etabliert, aber man ist sehr im Hier und Jetzt. Im vierten Jahr ist das anders. Es ist schwieriger, komplexer, weniger offensichtlich und ich finde, genau das macht es anstrengend.

Im vierten Jahr ist man nicht mehr am Anfang. Es gibt keinen Welpenschutz mehr, sondern man hat Verantwortung, Strukturen, Verpflichtungen. Man hat etwas aufgebaut und das erzeugt einen anderen Druck. Das, wovor viele gewarnt haben und was bei mir genauso eingetroffen ist, betrifft vor allem den finanziellen Aspekt.

Im vierten Jahr kommt oft alles zusammen, gerade wenn Steuererklärungen spät abgegeben und noch später bearbeitet werden. Dann treffen Steuerzahlungen aufeinander, die mehrere Jahre betreffen. Gleichzeitig werden Vorauszahlungen berechnet. Bei mir kamen Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer für zwei Jahre rückwirkend zusammen und dazu kamen die Vorauszahlungen für das laufende und das kommende Jahr.

Das ist nicht nur gefühlt viel. Das ist viel und es kommt geballt. Ein Brief nach dem anderen, eine Zahlungsaufforderung nach der anderen. Egal, wie gut man vorbereitet ist und Geld zurückgelegt hat, das macht etwas mit einem. Ich habe in 2025 mehrere zehntausend Euro an das Finanzamt überwiesen. Das klingt schon beim Hören nach viel, aber wenn man es wirklich überweist und das Konto danach sieht, ist es eine andere Realität.

Dazu kommen laufende Kosten. Atelier, große Investitionen, Gehälter für Mitarbeiterinnen, Versicherungen für mich, meine Mitarbeiterinnen und das Atelier. Das sind alles Kosten, die nicht mehr optional sind. Gerade weil ich bei Kunst & Brot nicht mehr alleine bin. Zusätzlich fiel dieses vierte Jahr bei mir in ein Jahr, in dem privat viel los und auch viel teuer war.

Ich habe 2025 geheiratet. Eine Hochzeit kostet Zeit, Geld und Energie. Dazu kamen drei Wochen Flitterwochen. Alles wunderschön, alles geplant, aber in der Selbstständigkeit bedeutet Zeit fast immer auch Umsatz. Durch Hochzeit und Urlaub konnte ich in diesem verflixten vierten Jahr weniger Umsatz machen als im Jahr davor und hatte so mehr Ausgaben bei weniger Einnahmen.

Was dieses Jahr wirklich herausfordernd gemacht hat, war nicht nur das Geld. Es war auch der Anspruch an mich selbst und die Realität. Ich war nicht mehr neu. Ich wusste, wie Dinge laufen sollten. Umso frustrierender war es, dass es sich trotzdem zwischendurch eng angefühlt hat. Im dritten Jahr lief es gut. Im vierten Jahr sind Welten aufeinandergetroffen. Im ersten Jahr rechne ich mit Chaos. Im vierten Jahr nicht mehr. Als es trotzdem da war, habe ich gezweifelt und Dinge hinterfragt, obwohl ich wusste, dass ich nichts falsch gemacht habe. Diese Summe an Dingen macht etwas mit einem. Ich weiß, dass viele Selbstständige im vierten Jahr aufgeben, weil sie auf einen Schlag zu viel bezahlen müssen oder müde werden. Die Anfangseuphorie ist weg, die Stabilität noch nicht vollständig da. Die Verantwortung ist hoch und die Belohnung kommt zeitversetzt. Man hat bewiesen, dass es geht, aber es fühlt sich noch nicht leicht an. Das kann eine harte Phase sein. Für mich war es eine verdammt anstrengende Phase, das verflixte vierte Jahr.

Ich glaube, das liegt auch daran, dass sich hier mehrere Entwicklungsphasen überlappen. Im ersten Jahr geht es ums Aufbauen. Im vierten Jahr ist das Business erwachsener, professioneller, aber noch nicht stabil. Ich hatte das Gefühl, zwischen Phasen hin und her zu springen. Verantwortung und Expertise auf der einen Seite, Durcheinander auf der anderen. Dazu kam das Gefühl, mehr zu verwalten als zu gestalten. Ich hatte die Verantwortung für laufende Kosten, für andere Menschen, für langfristige Entscheidungen. Es ging weniger um Wachstum, mehr um Erhalt. Das fühlt sich schnell nach Stillstand an, obwohl es keiner ist. Stabilisieren wird selten gefeiert.

Im vierten Jahr hatte ich hohe Fixkosten. Atelier, Mitarbeitende, Software, Abos, Versicherungen. Monatlich fast 3.800 €. Diese Kosten wollen verdient werden. Sie bleiben auch dann, wenn weniger Umsatz reinkommt und dadurch ist das Risiko größer, nicht mehr nur für mich selbst.

Oft hatte ich das Gefühl, im verflixten vierten Jahr kommt alles zusammen. Meine Arbeitsweise aus den ersten Jahren ist an ihre Grenzen gestoßen: Lange Tage, alles selbst machen, vieles aus dem Bauch heraus, das funktioniert irgendwann nicht mehr. Ich musste abgeben, Strukturen schaffen, Prozesse klären und das hat Druck erzeugt, auch in der Zusammenarbeit mit meiner Mitarbeiterin.

Zehn Marketingkanäle, viele To-Dos, schlaflose Nächte, aber gleichzeitig steckt man das schlechter weg als am Anfang. Die Euphorie fehlt, es geht ums Erhalten und die Motivation verschiebt sich. Am Anfang will man beweisen, dass es funktioniert. Im vierten Jahr weiß man, dass es funktioniert. Die Frage wird eine andere.

Nicht mehr: Kann ich davon leben?
Sondern: Will ich so davon leben?

Das vierte Jahr war kein schlechtes Jahr. Es sind viele gute Dinge passiert. Die Herausforderung war nur eine andere und das auch psychologisch: Weniger Applaus, mehr Normalität, denn der Start ist vorbei und Durchhalten wird erwartet. Es ist nicht mehr romantisch. Es ist Arbeit.

Strukturen, Entscheidungen, Wiederholung, denn Wiederholung gehört dazu, auch wenn sie nicht gemocht wird. All das hat dieses Jahr so anstrengend gemacht. Das war nicht ein einzelner Faktor, sondern die Gleichzeitigkeit: Finanzielle Herausforderungen, emotionale Neuorientierung, private Veränderungen. Jetzt verstehe ich, was mit dem verflixten vierten Jahr gemeint ist und ich bin nicht daran gescheitert. Ich durfte entscheiden, wie es weitergeht, was bleibt und was sich verändert.

Das Gute ist, das Gröbste ist geschafft. Vorauszahlungen sind geplant und jetzt gibt es keine bösen Überraschungen mehr in dieser Größenordnung. Ich erhoffe mir jetzt.mehr Fokus, mehr Klarheit und mehr Struktur. Ich habe immer gesagt, wenn ich dieses vierte Jahr überstehe, lege ich noch eine Schippe drauf.

Das vierte Jahr war ein Belastungstest und was daraus entsteht, wird 2026 zeigen. Vielleicht steckst du gerade selbst in diesem vierten Jahr oder steuerst darauf zu. Es ist schwer. Das ist nichts, was beschönigt werden muss. Oft entscheidet genau dieses Jahr, ob und wie etwas bleibt.

Für mich ist dieses verflixte vierte Jahr heute offiziell vorbei. Ich bin im fünften Jahr von Kunst & Brot angekommen und sehr gespannt auf alles, was kommt. Ich halte dich hier natürlich auf dem Laufenden.

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