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Mehr InformationenDie heutige Folge heißt: Die, in der ich arbeiten MUSS. Vielleicht merkst du schon, dieses kleine Wörtchen „müssen“ kann richtig schwerwiegend sein. Wir benutzen es unendlich viel, aber ich finde, es hat eine ganz bestimmte Energie. Es macht super viel mit mir. Genau darum geht es heute.
Der Satz „Ich muss arbeiten“ ist in unserer Gesellschaft oder zumindest in meiner Erfahrung eine völlig akzeptierte Begründung. Wenn jemand fragt, ob ich irgendwo mitkomme, und ich antworte: „Nee, ich muss arbeiten“, wird das sofort akzeptiert. Aber wenn ich mich ganz ehrlich frage, ob ich wirklich arbeiten muss, lautet die Antwort meistens: nein. „Ich muss arbeiten“ ist ein Satz, den ich ganz selbstverständlich unfassbar oft gesagt habe. Eigentlich ist mir Achtsamkeit mit Sprache aber viel zu wichtig, um das so achtlos zu sagen, nur weil es eine akzeptierte Floskel ist.
Sprache prägt unsere Wahrnehmung. Sprache prägt, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Unsere Sprache schafft auch Wirklichkeit. Das, was wir glauben und für wahr halten, wird durch das beeinflusst, was wir jeden Tag sagen oder denken. Wenn wir da genau hinhören, wie wir über unseren Alltag sprechen, kann es passieren, dass wir eine gewisse Schwere entdecken. Dieses „muss ja“ ist so ein Beispiel.
Wenn jemand fragt, wie es geht, und die Antwort lautet „muss ja“, ist das eine allgemein akzeptierte Floskel. Sie wird unfassbar oft gesagt. Aber was bedeutet das eigentlich? Genauso die Antwort: „Ja, viel zu tun, aber sonst gut.“ Wenn wir uns jeden Tag erzählen, dass wir viel zu tun haben oder dass es gerade ein bisschen stressig ist, dann glauben wir das auch. Dann empfinden wir es so, egal ob es gerade wirklich so ist oder ob es auch anders sein könnte.
Wir sind sehr daran gewöhnt, dass das Wort Arbeit mit einem gewissen Druck verknüpft ist. Mit Pflicht, mit Müssen, mit einer Schwere, als wäre Arbeit sonst nichts wert. Neulich habe ich noch eine andere sprachlich interessante Formulierung entdeckt, die ganz viel mit unserem Nervensystem macht. Ich sage zum Beispiel sehr oft: „Ich mache noch schnell XY.“ Ich mache noch schnell die E-Mail fertig. Ich räume noch schnell das weg. Ich decke noch schnell den Tisch.
Vielleicht kennst du das auch. Dieses „Ich mache noch schnell“ oder noch schlimmer: „Ich muss noch schnell.“ Schon haben wir wieder eine gestresste Wahrnehmung. Wir erzählen unserem Inneren die ganze Zeit, alles sei dringend. Alles muss schnell, schnell, schnell gehen. Auch „ich mache noch kurz“ oder „ich besorge noch kurz das“ gibt unserer Gefühlsebene die ganze Zeit den Eindruck von Dringlichkeit.
Seit ich das erkannt habe, versuche ich, diese Formulierungen entweder ganz wegzulassen oder bewusst gegenzusteuern. Statt „Ich mache noch schnell die E-Mail fertig“ sage ich: „Ich mache noch die E-Mail fertig.“ Oder sogar: „Ich mache noch in Ruhe die E-Mail fertig.“ Vielleicht ist das gar nicht so ein weit verbreitetes Problem. Für mich ist es aber etwas, was ich fast täglich sage. Immer schnell, immer noch etwas, immer noch ein Muss.
Aber ich muss nicht. Ich muss nicht arbeiten. Ich muss gar nichts. Ich muss nicht arbeiten, aber ich möchte arbeiten. Ich möchte vorankommen, ich möchte Ideen umsetzen, ich möchte Neues ausprobieren. Ich möchte etwas fertigstellen und Erfolgserlebnisse haben.
Wäre das genauso akzeptiert? Ist Wollen vielleicht weniger wert als Müssen? Ist es weniger akzeptiert, wenn ich sage, ich möchte arbeiten, statt ich muss arbeiten? Braucht es dieses Wort „müssen“, damit es sich richtig anfühlt, damit es dringend wirkt und wichtig scheint? Oder ist es vielleicht okay, wenn ich sage: „Ich möchte da arbeiten“ oder „Ich möchte mir da Zeit für XY nehmen“? Eigentlich will ich nicht sagen: „Ich habe keine Zeit, ich muss arbeiten“, weil das in den seltensten Fällen stimmt.
Ich bin selbstständig. Ich habe nicht einmal jemanden über mir, keine Person, die sagt, dass ich etwas heute noch fertig machen muss. Ich muss gar nichts, aber ich möchte. Ich möchte in Flow kommen. Ich möchte auch mal bis ein Uhr nachts etwas fertig machen. Das muss ich nicht, aber ich möchte es.
Auch dieses „Ich habe keine Zeit, ich muss arbeiten“ stimmt für mich oft nicht. Ich möchte arbeiten, weil ich Zeit habe. Weil ich Zeit habe, in Themen einzutauchen und neue Angebote zu entwickeln. Das ist das Allerschönste, wenn ich mir dafür Zeit nehme. Im Außen weiß ich nur nie so richtig, ob das akzeptiert ist. Dann bin ich ganz schnell wieder dabei zu sagen: „Ah nee, da muss ich arbeiten.“
Ein gutes Beispiel ist, dass ich montags und freitags frei mache. Ich arbeite also samstags und sonntags, wenn viele andere Menschen frei haben. Für mich passt das besser, weil sonntags ohnehin alles geschlossen hat. Ich liebe es, montags und freitags frei zu haben. Das ist einfach ein Vorteil der Selbstständigkeit, dass ich das selbst entscheiden kann. Also mache ich montags und freitags frei.
Jetzt ist es aber so, dass in meinem Umfeld viele Menschen samstags und sonntags frei haben. Dann wird oft ganz selbstverständlich angenommen, dass ich da auch kann. Auch wenn die Leute wissen, dass ich montags und freitags frei mache und am Wochenende arbeite. Weil wir natürlich immer von unserer eigenen Wirklichkeit ausgehen, wird oft davon ausgegangen, dass ich am Wochenende Zeit habe. Die große Frage ist dann: Habe ich Zeit? Kann ich mir Zeit nehmen? Möchte ich mir Zeit nehmen?
Wäre es völlig okay, wenn ich sage: „Samstag bin ich nicht dabei, ich möchte da arbeiten“? Das habe ich noch nie ausprobiert. Ich weiß nicht, ob das für Irritationen sorgen würde oder ob es völlig in Ordnung wäre. Es wird ein spannendes Experiment, weil ich das definitiv testen werde. Bisher bin ich immer schnell dabei zu sagen: „Samstag muss ich arbeiten“ oder „Sonntag muss ich arbeiten.“ Ich will das nicht mehr so sagen.
Das ist ein Druck, den ich mir selbst einrede und den ich gar nicht habe. Ich will mir nicht permanent einreden, dass ich keine Zeit habe und arbeiten muss, nur weil das die gängigste Antwort ist. Wenn wir etwas anderes priorisieren, uns selbst priorisieren, unsere Arbeit oder eigene Projekte priorisieren, ist es einfacher zu sagen: „Ich muss arbeiten.“ Dieses Müssen bringt eine unsichtbare dritte Partei ins Spiel, die Druck ausübt. Dann ist man dem ausgeliefert. Man muss halt arbeiten, es lässt sich nicht ändern.
Ich möchte mich aber bewusst dafür entscheiden, zu arbeiten. Ich habe mich bewusst entschieden, mich selbstständig zu machen. Ich habe mich bewusst entschieden, Kunst und Brot zu gründen. Ich habe mich bewusst entschieden, mein Business so aufzubauen, wie es ist. Ich habe mich bewusst entschieden, samstags und sonntags zu arbeiten. Ich möchte das.
Ich darf arbeiten. Ich kann arbeiten. Ich darf das machen, was ich gerne mache. Ich liebe Sprache und über Sprache nachzudenken, verändert oft auch die Einstellung oder das Gefühl zu einem Thema. Ich habe Sprachwissenschaften studiert und könnte stundenlang über Sprache und Kommunikation reden. Das ist eine meiner größten Leidenschaften.
Ich liebe diese Sensibilität für Sprache und diese kleinen Muster. Dieses „Ich mache noch schnell das und das fertig“ löst in uns einen Modus von Dringlichkeit, Stress und Beeilung aus. Nicht Ruhe. Nicht Gelassenheit. Wir kommen dadurch auch nicht in einen Flow. Das passiert durch kleine Wörter.
Vielleicht nimmst du das ja für dich aus dieser Folge mit. Es ist ein Unterschied, ob wir sagen: „Ich muss“, „ich möchte“, „ich darf“, „ich kann“ oder „ich will“. Sprache ist wirklich mächtig. Sprache hat einen großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Das gilt nicht nur für ausgesprochene Sprache. Es gilt auch für gedachte Sprache.
Auch wenn wir nur denken: „Jetzt muss ich wieder arbeiten“, macht das schon viel mit uns. Solche Dinge spielerisch zu hinterfragen, ist ein spannendes Forschungsprojekt. Es können kleine Maßnahmen sein, die den Alltag leichter machen. Sie können Leichtigkeit hineinbringen, weil wir achtsam damit umgehen, ob wir unser System die ganze Zeit unter Stress setzen. Die Frage ist, ob wir sagen: „Ich muss, ich muss noch schnell, ich muss noch kurz.“ Oder ob wir uns erlauben, das aufzulösen und zu sagen: „Ich möchte jetzt in Ruhe die E-Mail fertig machen.“
Vielleicht ist es völlig okay, das so zu sagen. Vielleicht hast du schon mal erkannt, dass dieses kleine Wort „müssen“ nach Druck klingt. Nach Verpflichtung. Nach etwas, das wir machen, obwohl wir es eigentlich gar nicht möchten. Aber was hat das mit Selbstständigkeit zu tun? In der Selbstständigkeit machen wir im Idealfall überwiegend Dinge, die wir machen möchten.
Wenn jemand fragt, ob wir noch mitkommen wollen, könnten wir also etwas anderes sagen als: „Nee, ich muss arbeiten.“ Auch wenn genau diese Antwort der Moment ist, der nicht hinterfragt wird. Da kommt kein „Warum?“ oder „Ach wirklich?“ oder „Wäre nicht mal eine Pause dran?“ Es ist einfach eine Begründung, die akzeptiert wird. Trotzdem könnte es spannend sein, sich zu trauen, etwas anderes zu sagen. Vielleicht fällt es den Menschen nicht einmal besonders auf, wenn wir sagen: „Da möchte ich arbeiten.“
Vielleicht macht es vor allem für uns selbst einen Unterschied. Sprache beeinflusst eben, wie wir unsere Wirklichkeit wahrnehmen. Ich finde, das ist ein gutes Experiment. Ganz genau hinzuhören, wie wir über unseren Alltag sprechen. Wie wir über unsere Arbeit sprechen. Wie wir über unsere Aufgaben und To-do-Listen sprechen.
Das Leben ist schon anstrengend genug. Wenn wir dann noch immer von der Arbeit als Pflicht oder Last sprechen, wird es noch schwerer. Vielleicht können wir ein bisschen Leichtigkeit hineinbringen, indem wir achtsam mit diesem Wort umgehen. Statt zu sagen „Ich muss noch schnell“, während wir schon halb in Bewegung sind, könnten wir bewusst das Tempo herausnehmen. Den Druck herausnehmen. Die Eile herausnehmen.
Vielleicht gibt es diese Eile gar nicht. Vielleicht bauen wir sie nur auf, weil wir diese Wörter benutzen. Du musst gar nichts. Ja, es gibt natürlich Konsequenzen, wenn du bestimmte Dinge nicht machst. Aber rein faktisch musst du nicht. Vielleicht möchtest du.
Vielleicht möchtest du vorankommen. Vielleicht möchtest du fertig werden. Vielleicht möchtest du etwas umsetzen. Das fühlt sich doch gleich ganz anders an. Es macht eine ganz andere Perspektive auf. So geht es mir jedenfalls.
Deswegen möchte ich ausprobieren, ob Menschen es genauso ernst nehmen, wenn ich sage: „Da möchte ich arbeiten.“ Ich will das ausprobieren und beobachten. Musterunterbrechungen und Musterveränderungen brauchen immer Zeit. Ich gehe davon aus, dass ich sicher ab und zu in alte Gewohnheiten rutschen werde. Aber ausprobieren kann ich es. Ich glaube wirklich nicht, dass wir das Wort „müssen“ brauchen, damit es sich nach echter Arbeit anfühlt.
Ich glaube, dass es auch okay ist zu sagen: „Ich möchte mir da Zeit für meine Arbeit nehmen“ oder „Ich möchte mir Zeit für diese Aufgabe nehmen.“ Ich glaube, dass Menschen das hinnehmen. Vielleicht überrascht, vielleicht irritiert, vielleicht merken sie es auch gar nicht. Aber ich werde es merken. Ich werde merken, ob ich mir nicht permanent einrede, dass ich keine Zeit habe oder arbeiten muss. Ich programmiere mich damit weg vom Dauerstress und hin zu der Haltung: Ich habe eine Wahl.
Denn ich habe eine Wahl. Ich möchte mich bewusst entscheiden. Ich möchte arbeiten. Ich darf arbeiten. Ich darf Dinge tun, die mich weiterbringen. Ich darf Erfolge feiern und mein Business gestalten.
Das verändert meine ganze Einstellung dazu. Es verändert das Gefühl, das ich habe, wenn ich mich an den Schreibtisch setze. Dann habe ich mich für meine Arbeit entschieden und bin nicht Opfer meiner Umstände. Deswegen wird das jetzt mein Test. Sprachliche Muster zu verändern, ist immer ein Ausprobieren und Testen. Es geht darum, wie es sich für mich selbst anfühlt und wie das Umfeld reagiert.
Vielleicht gibt es Sätze, auf die du im Alltag auch mal achten kannst. „Ich muss noch einkaufen.“ „Ich muss noch E-Mails beantworten.“ „Ich muss den Post noch fertig machen.“ Verändere den Satz einfach mal. Sag: „Ich möchte noch einkaufen gehen“ oder „Ich will mir noch Zeit nehmen, einkaufen zu gehen.“
Wie fühlt sich das an? Vielleicht leichter. Vielleicht selbstbestimmter. Vielleicht auch ungewohnt. Genau das ist der Punkt. Es ist ein Unterschied, ob wir sagen, ich muss oder ich möchte.
Diese kleinen Unterschiede können dein Denken, dein Fühlen und deinen ganzen Alltag verändern. Achte mal darauf, wie du über deine Arbeit sprichst. Achte darauf, wie du über deinen Alltag sprichst. Vielleicht erlaubst du dir öfter zu sagen: „Ich möchte“ oder „Ich will.“ Am Ende musst du gar nichts. Du musst nicht. Aber du darfst und du darfst dich auch dafür entscheiden.



