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Mehr InformationenHeute spreche ich über Geld, weil ich gerne über Geld spreche und der Meinung bin, wir sollten mehr über Geld sprechen, und vor allem über das Thema Gehalt. Ich wurde neulich in einem Fragesticker auf Instagram gefragt: Verdienst du monetär selbstständig mehr als als Angestellte? Ich möchte super transparent bei diesen Dingen sein, aber tatsächlich ist das bei mir gar nicht so super einfach zu beantworten.
Die kurze Antwort ist: Nein. Ich verdiene in der Selbstständigkeit weniger als vorher. Aber das ist eine Antwort, die ein bisschen mehr Kontext braucht. Denn als ich im Vertrieb angestellt war, war es immer üblich, dass ein Großteil des Gehalts provisionsbasiert ist. Das bedeutet, ich habe in keinem Monat das Gleiche verdient wie in dem Monat davor, deswegen bin ich es total gewohnt, dass mein Gehalt schwankt. Und es gab Monate, in denen habe ich weniger verdient als jetzt als Selbständige. Aber es gab auch Monate, in denen habe ich deutlich mehr verdient als jetzt als Selbständige. Auch jetzt als Selbständige schwankt mein Gehalt stark von Monat zu Monat, je nachdem, ob ich etwas launche, wieviel Werbung ich mache, worauf ich meinen Fokus gerade lege, ob ich 1:1-Plätze vergebe, welche Angebote es gerade bei mir gibt und so weiter. Das heißt, dieses Schwanken des Gehalts, was glaube ich für viele etwas ist, was ihnen an der Selbständigkeit Angst macht, ist für mich total normal, weil es im Vertrieb total normal ist und ich eben viele Jahre im Vertrieb gearbeitet habe.
Als ich angefangen habe, als Sales Managerin zu arbeiten in der Werbebranche, war der variable Anteil meines Gehalts ziemlich gering. Ich war Junior Sales Managerin und hatte nur so eine Zielvereinbarung, das heißt der variable Anteil war bei Zielerreichung ein relativ kleiner Prozentteil meines gesamten Jahresgehalts. Das hat sich aber über die Jahre verändert, weil ich natürlich dann Sales Managerin, dann Senior Sales Managerin, dann Teamleitung Sales und dann General Managerin Sales geworden bin und immer mehr Umsatzverantwortung hatte. Gleichzeitig hatte ich auch Teamverantwortung und habe auch Provisionen bekommen für die Umsätze, die mein Team gemacht hat. Dadurch hat sich der variable Anteil meines Gehalts immer weiter erhöht, bis er irgendwann in manchen Monaten bei knapp 80% lag.
Dadurch ist es für mich ganz normal, selbst zu beeinflussen, wie hoch mein Gehalt ist. Das hatte ich so nicht auf dem Schirm, was für mich ein großer Vorteil in der Selbstständigkeit ist. Ich hatte nie Angst, dass ich in einem Monat weniger verdiene, weil ich dafür verantwortlich bin, mich zu verkaufen, mich selbst zu vermarkten. Das ist für viele eine große Herausforderung, für mich ist es das, was ich ganz fantastisch finde, weil ich endlich komplett frei und unabhängig bin, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Ich kann selber bestimmen, wieviel Geld ich verdiene, indem ich bestimme, wieviel ich verkaufe, wieviel ich arbeite, welche Strategie ich anwende, welche Maßnahmen ich treffe. Das liegt komplett in meiner Verantwortung, und ich finde das ganz fantastisch. Ich bin es aber eben aus über 10 Jahren Vertrieb einfach gewohnt, und Dinge, die wir gewohnt sind, machen uns natürlich weniger Angst als Dinge, die neu sind, ganz normal.
Zurück zu der Frage: Ich verdiene in der Selbstständigkeit weniger als vorher in meinem Angestelltenjob, weil ich in dem Angestelltenjob am Ende sehr viel verdient habe, weil ich einen sehr hohen Provisionsanteil hatte, große Deals gemacht habe, große Werbekampagnen verkauft habe und Teamverantwortung hatte. Als Angestellte in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis bekommt man ein Bruttogehalt, in meinem Fall zusätzlich die Provision, aber die fließt ja in das Bruttogehalt rein, die wird genauso versteuert. Man verhandelt ein Bruttogehalt, man bekommt dieses Bruttogehalt aber nie komplett ausbezahlt, sondern nur das Nettogehalt. Das heißt, im Angestelltenverhältnis wird die Einkommensteuer, die Hälfte der Krankenversicherung, Sozialabgaben, die Hälfte der Rentenversicherung und so weiter direkt abgezogen. Das sieht man alles schön auf seinem Lohnzettel, und dann bekommt man netto irgendwas aufs Konto überwiesen. Einmal im Jahr kann man dann eine Einkommensteuererklärung machen und sich von den gezahlten Einkommenssteuern noch ein bisschen was zurückzuholen, wenn man das gut macht.
In der Selbstständigkeit ist es komplett anders, und es ist auch für jeden Menschen anders, je nachdem ob du einen Freiberuf hast oder ob du ein Gewerbe hast, so wie ich. Wenn ich vorher 10.000 € brutto im Monat hatte als Angestellte, bedeutet das, dass davon nur die Einkommensteuer runterging und die Hälfte der Krankenversicherung, die Hälfte der Rentenversicherung, Sozialabgaben und so was. Heute in der Selbstständigkeit, wenn ich 10.000 € brutto verdiene, geht davon Umsatzsteuer weg, Einkommensteuer weg, Gewerbesteuer weg, 100% meiner Krankenversicherung, 100% meiner Altersvorsorge. Das bedeutet, dass ich netto von diesen 10.000 € viel, viel weniger habe als netto im Angestelltenverhältnis, weil ich als Angestellte natürlich keine Umsatzsteuer und auch keine Gewerbesteuer bezahle. Das heißt, Umsatz und Brutto-Arbeitslohn im Angestelltenverhältnis sind ganz unterschiedliche Dinge, die unterschiedlich zu bewerten sind.
Von dem Umsatz, den ich jetzt mache, der genauso hoch ist wie vorher mein Bruttoarbeitslohn, gehen eben Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer runter, die Kosten für meine Steuerberatung, das Gehalt für meine Mitarbeiterin, die Versicherung für meine Mitarbeiterin, meine Krankenversicherung, meine Altersvorsorge, alle Kosten, die ich hier mit dem Atelier habe, die GEZ für das Atelier, meine Berufshaftpflichtversicherung. Das bedeutet, dass das Netto, was ich nehmen kann, um im Supermarkt einzukaufen, von dem gleichen Bruttoumsatz wie Bruttogehalt im Angestelltenverhältnis viel, viel weniger ist. Was ich zur Verfügung habe, um im Supermarkt einkaufen zu gehen, unterscheidet sich stark von dem, was ich vorher zur Verfügung hatte, als ich als General Managerin Sales gearbeitet habe, weil ich deutlich mehr Ausgaben habe und deutlich mehr Steuern bezahle als als Angestellte.
Das heißt für mich, wenn ich genauso viel zur Verfügung haben möchte auf dem Konto, um einkaufen zu gehen, also wirklich netto netto netto, genauso viel wie als Angestellte, muss ich deutlich mehr Umsatz machen als ich vorher Brutto-Arbeitslohn hatte. Und das mache ich aktuell noch nicht, das kann noch kommen. Ehrlich gesagt war das aber auch nie mein Ziel, weil das Gehalt, was ich vorher hatte im Angestelltenverhältnis, war ein sehr gutes Gehalt, aber es war nicht das, was ich gebraucht habe. In der Selbstständigkeit, die Freiheit, die ich habe, wie ich meine Tage gestalte, dass ich keine Meetings habe, ich glaube wirklich, es gibt kein Gehalt der Welt, für das ich das noch mal komplett aufgeben würde. Das bedeutet, ich verdiene netto weniger als vorher. Aber ich brauche auch irgendwie weniger, weil mein Leben viel reicher an anderen Dingen ist. Das klingt so kitschig, aber es ist die Wahrheit. Ich habe meinen Job sehr gerne gemocht, das möchte ich ganz klar sagen, ich habe meine Arbeit gerne gemacht, ich hatte den tollsten Chef, aber es hat einfach irgendwann nicht mehr für mich gepasst.
Ich habe am Anfang dem Geld wirklich hinterher getrauert, weil im ersten Jahr der Selbstständigkeit habe ich ein Viertel von dem verdient, was ich vorher verdient habe. Wenn das Gehalt von heute auf morgen nur noch ein Viertel beträgt, ist das ein großer Unterschied. Aber ich war ja darauf vorbereitet, ich habe das ja bewusst entschieden, das war ja eine Entscheidung, die ich getroffen habe, und ich habe auch die Verantwortung dafür übernommen. Das bedeutet, ich bin nicht über Nacht arm gewesen oder hatte wenig Geld, das gar nicht, sondern das war alles im Rahmen, so wie ich es geplant hatte. Ich hatte Umsatzziele fürs erste Jahr, Umsatzziele fürs zweite Jahr, fürs dritte Jahr, fürs vierte Jahr, und diese Umsatzziele sind kalkuliert, basierend auf dem, was ich zum Leben brauche, auf dem, was ich leisten kann in der Arbeit, und was ich an Angeboten zur Verfügung habe, was Leute bei mir kaufen können. Das heißt, ich bin keiner Situation ausgeliefert, ich steuere das komplett selbst und ich kalkuliere das komplett selbst.
Die ursprüngliche Frage war ja, ob ich monetär in der Selbstständigkeit weniger verdiene als vorher im Angestelltenverhältnis, und da ist die Antwort: Ja, ich verdiene weniger als vorher. Ich mache mittlerweile im vierten Jahr so viel Umsatz, wie ich vorher Brutto verdient habe. Ungefähr, wie gesagt, das hat immer stark geschwankt, weil Vertrieb. Aber ich habe netto deutlich weniger zur Verfügung, weil ich in der Selbstständigkeit wesentlich höhere Ausgaben habe als als Angestellte. Das alles habe ich nach und nach rausgefunden, die Sache mit der Umsatzsteuer, die Sache mit der Gewerbesteuer, was das genau bedeutet, weil vorher ging meine Einkommensteuer von meinem Bruttogehalt ab, ich habe die nie gesehen, die war nie auf meinem Konto. Jetzt muss ich mich disziplinieren, jeden Monat die Umsatzsteuer zur Seite zu legen, die Einkommensteuer zur Seite zu legen, die Gewerbesteuer zur Seite zu legen, das Gehalt meiner Mitarbeiterin zu bezahlen, und dann von dem, was übrig ist, meine Ausgaben zu bezahlen, sowohl geschäftlich als auch privat. Und dann habe ich noch was übrig, um in den Supermarkt zu gehen.
Ich habe mal ausgerechnet, wenn jemand bei mir 49 € für den Artist Business Club bezahlt, bleiben am Ende bei mir 8 € übrig, mit denen ich in den Supermarkt gehen kann. Wenn du also bei jemandem kaufst, der selbstständig ist, der Einzelunternehmerin ist, dann mach dir bewusst, wie wertvoll das für diese Person ist. Aber auch gleichzeitig, wenn du denkst, das ist aber teuer: Denk daran, dass nicht mal 10 € bei der Person am Ende netto auf dem Konto landen, mit denen sie in den Supermarkt gehen kann, weil eben so viel dazugehört. Gebühren für Zahlungsanbieter und so weiter und sofort. Von 49 € bleiben bei mir 8 € übrig, das ist schon ein großer Unterschied. Das macht deutlich, warum man den Umsatz in der Selbstständigkeit nicht gut mit dem Einkommen im Angestelltenverhältnis vergleichen kann, denn es sind ganz unterschiedliche Dinge. Man kann eher das Einkommen im Angestelltenverhältnis vergleichen mit dem Gehalt, das man sich selbst zahlt in der Selbstständigkeit nach allen gewerblichen Steuern und nach den betrieblichen Ausgaben, also den Gewinn, was man sich davon selbst als Gehalt zahlt und dann auch noch versteuert als Einkommen. Das entspricht eher dem Bruttolohn im Angestelltenverhältnis.
Ich hoffe, das war nachvollziehbar. Ich kriege viele Fragen zu so Gehalt-Themen, und es sieht bei jedem anders aus. Wenn du nebenberuflich selbstständig bist, sieht es wieder völlig anders aus, als wenn du hauptberuflich selbstständig bist. Wenn du einen Freiberuf hast, ist es ganz anders, als wenn du ein Gewerbe hast. Wenn du 7% Umsatzsteuer zahlst, ist das natürlich anders als wenn du 19% Umsatzsteuer zahlst. Es gibt so viele individuelle Fälle, das System ist eigentlich simpel, aber es gibt nicht so die eine Antwort, die für alle gilt. Man muss immer gucken, was für die Person entsprechend passt, zur Lebenssituation, was sie braucht, um zu leben, um rauszufinden, welche Form der Selbstständigkeit auch geeignet ist. Ich hatte von all diesen Dingen gar keine Ahnung, ich bin in die Selbstständigkeit reingestolpert, ohne das alles vorher zu wissen.



